Paul Celan (1920-1970) und seine Frau, die Malerin Gisèle Celan-Lestrange (1927-1991), im Hölderlinturm zu Tübingen

 

Peter Härtling, Präsident der Hölderlin-Gesellschaft, nennt in seinem Vorwort zu dem schönen Ausstellungskatalog „A l’image du temps – Nach dem Bilde der Zeit. Gisèle Celan-Lestrange und Paul Celan’’ den Hölderlinturm am Neckarufer in Tübingen einen Ort, der ganz selbstverständlich einen Raum schaffe für die Begegnung mit den Künsten.

Es ist eine doppelte Begegnung: einmal zwischen den Dichtern, da die vom Deutschen Literaturarchiv in Marbach vorbereiteten, Hölderlin gewidmeten Vitrinen mit Büchern, Bildern und Autographen an ihrem angestammten Platz geblieben sind. Lebens- und Werk-Zeugnisse Paul Celans (der zu Lebzeiten den Hölderlinturm besucht hat), treten nun hinzu und es entsteht so etwas wie ein Gespräch zwischen den Lyrikern.

Dritte im Bunde ist die Malerin und Graphikerin Gisèle Celan-Lestrange: einmal mit dem gemeinsamen Werk des Künstlerehepaars „Atemkristall" von 1965, dazu mit über 80 Radierungen, Gouachen und Aquarellen aus den Jahren 1955 bis 1991.

Einer der Anlässe für die Ausstellung ist die eben erschienene Edition des Briefwechsels zwischen Paul und Gisèle Celan (2 Bde, Suhrkamp Verlag), aus dem hier zwanzig Originalbriefe ausgelegt sind. Sowohl dieser Briefwechsel als auch die Ausstellung wurden in Verbindung mit Eric Celan, dem Sohn beider, gestaltet.

Neben den persönlichen Zeugnissen, den Briefen, beeindruckt vor allem die Zusammenarbeit des Dichters mit der Künstlerin im Wechselspiel zwischen den Graphiken und den Gedichten im Zyklus „Atemkristall" – wie Celan schreibt: „in Ihren Kupfern erkenne ich meine Gedichte wieder: sie gehen durch sie durch, um darin zu sein, immer wieder". Dabei geht es weniger um die Inhalte, als um Strukturen, wie das folgende Beispiel verdeutlicht

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Die Ausstellung zeigt, über die Beziehung zwischen Paul Celan und seiner Frau weit hinausgehend, ihr immer reicheres Werk aus den späteren Jahren, nach der Trennung des Paares 1967 und nach dem Freitod Celans 1970.

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Neben den Graphiken sind es die vielfarbigen Gouachen aus dem Januar 1971 etwa [Abb. 26] und die Pastellbilder aus dem Jahr 1983, die einen Eindruck vom eigenständigen Werk der Künstlerin vermitteln. Die spätesten der in der Ausstellung gezeigten Arbeiten von ihrer Hand sind Zeichnungen aus den Jahren 1988 [Abb. 43] und 1991, dem Jahr, in dem sie, 64jährig, in Paris starb.

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Neben die Tübinger Ausstellung, die noch bis zum 30.September zu sehen sein wird, tritt in der Zeit vom 23.April bis 24.Juni die Ausstellung „Sur la trace de tes mains – Auf den Spuren deiner Hände. Gisèle Lestrange-Celan und Paul Celan’’ im Frankfurter Goethe-Museum, veranstaltet vom Freien Deutschen Hochstift und dem Suhrkamp Verlag. Am 23. Juni 2001 bietet philoSOPHIA eine Exkursion in die Frankfurter Ausstellung an.

 

Renate Scharffenberg

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