Adolf Muschg: Sutters Glück. Roman. Frankfurt: Suhrkamp 2001, 335 Seiten, DM 39,80 ISBN 3-518-41214-0

Der Titel soll beim Wort genommen werden. Was ist Sutters Glück? Er geht am Ende freiwillig in den Tod. Diese Wendung ist schon zu pathetisch. Vielleicht: Er stürzt sich vom Boot in den See. Und seine Frau Ruth hat sich zuvor auch das Leben genommen. Zu pathetisch. Sie ging ins Wasser, weil sie Darmkrebs hatte.

War Sutter denn glücklich? Womöglich ist sein Glück, dass sein Leben aufhörte? Dann bedeutet Glück nicht mehr Glück - wie so manches Wort im Buch. Wir nehmen jetzt aber die landläufige Bedeutung des Wortes und folgen dem Roman: Wo war Sutter glücklich oder unglücklich? Wir werden vor allem auf die Beziehung zu seiner Frau stoßen.

Das Buch besteht aus drei Teilen: "Die Warnung" (Kapitel 1-8), "Gespenster" (Kapitel 19-28), "Im Hochtal" (Kapitel 29-45).

Sutter ist 66 Jahre alt, pensionierter Journalist und Gerichtsberichterstatter, "abgebrochener Völkerrechtler", seine Frau "abgebrochene Medizinerin". Eine Desillusionierung hat stattgefunden. Beide wohnen in der Siedlung "Im Hummel". Die war 1973 "einmal für den Gedanken einer weitreichenden Gemeinschaft mündiger Menschen entworfen und von Architekt Schlaginhauf, einem Linken, auch wirklich erbaut worden, für 99 Jahre, daher kostengünstig. Schon nach zehn Jahren blieben Sutter und Ruth, für die Utopie eines Gemeinsamen Lebens am wenigsten geeignet, die einzigen, die immer noch darauf saßen". (15)

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I Die Warnung

Es ist der 2. 11. 1999, fünf Wochen nach dem Tod von Ruth. Sutter hält sich nur noch in der Wohnung auf. Um 23.17 Uhr läutet das Telefon, als er gerade im Märchensessel sitzt, dem Platz Ruths in den letzten Monaten, so genannt, weil er ihr gegen die Schmerzen Märchen vorlas, bis sie einschlief Jetzt sitzt er also dort, liest zwanghaft Krimis, "eigentlich starrte er diese Zeilen nur noch blind an, während sie im Buch vorbeizogen wie flüchtige Wirbel im Wasser". (14)

Die Erzählmethode verschiebt die Perspektiven ineinander: die Beschreibung der Gegenstände (der Jugendstilsessel und die Bauhaus-Sitzgruppe), die Handlungsebene (Sutter lesend) und die Erinnerungen an Ruth ("Oft konnte er dafür sorgen, dass sie schon in diesem Sessel ein leichter Schlaf überraschte, der mit keinem Medikament herbeizulocken war. Die massiven, die ihr der Arzt verschrieben hatte, lehnte sie ab: Ich will keinen Todesschlaf, bevor ich tot bin." (11)

Das Telefon läutet - und niemand meldet sich, und so geschieht es ab jetzt pünktlich jeden Abend. Sutter nennt es "Anschläge mit dem Telefon". Nach vier Wochen lässt er auch wieder Gäste ins Haus. Wenn Gäste da sind, läutet das Telefon nicht, sonst weiter regelmäßig zwei-, später dreimal. Es beschäftigt ihn: Soll das eine Therapie sein? Eine Strafaktion von Menschen, über deren Prozesse er Abfälliges geschrieben hatte? Dann gewöhnt er sich daran und nennt den Anruf "das Zeichen" und ein "sanftes Memento" der Zeit, als er seiner Frau vorlas, bis sie Ruhe finden konnte.

"Da das Zeichen auf Bedeutung zu verzichten schien, konnte er ihm ebenso gut jede beilegen."(24)

(Das ist eines der zahlreichen Motive von Bedeutungsentleerung und willkürlichem Bedeutungsspiel im Roman.)

Wenn er ausgeht, ist er pünktlich um 23.17 Uhr zu Hause, um das Klingeln nicht zu versäumen. Das geschieht bis zum 12. 4. 2000. Am nächsten Tag wird auf ihn geschossen. Lungendurchschuss. Er findet sich an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Ineinandergeschobene Gedanken über die Maschinerie der Behandlungsabläufe im Krankenhaus, Vermutungen über die Tathintergründe (der Roman kommt nie zu einem Ergebnis) und Erinnerungen an das Leben mit Ruth. Vor allem an sie: Sie liebte "das Rohe und Schroffe". Andenken von den gemeinsamen Reisen mitzunehmen, lehnte sie ab - außer Steinen. (Der Buchumschlag zeigt eine Fels- oder Eislandschaft.) Eine ihrer Thesen war, dass die Natur Probleme mit Witz löse. Ihr Kern ist das Überflüssige. Es spottet jeder Ökonomie, wir aber sind zu einfältig, um daran etwas anderes wahrzunehmen als guten Sinn." (43)

Über ihre Krankheit wollte sie nicht reden: aus "Anstand". Ein Schlüsselwort. Es ist mehrdeutig, es beschreibt die Distanziertheit der Menschen voneinander als Seinszustand und als Handlungsmaxime: Ruth wollte Sutter nicht entziffern, auch nicht zurückbuchstabieren. Sie wollte mit ihm leben, weiter nichts. Das war ihr Anstand."(44) Als Bild dafür gilt ihr das von den Sternen: "Die Sterne der Sternbilder, sagte sie, haben auch nichts miteinander zu tun. Sie sind Lichtjahre voneinander entfernt. Trotzdem sehen sie so aus, als gehörten sie zusammen, und die Seeleute haben ihren Kurs nach ihnen gerichtet. So ein Sternbild war unsere Ehe auch, und keiner von beiden sprach es aus. Ausgesprochen wäre es nicht mehr wahr gewesen." (44)

"Anstand" begründet auch ihre Sehnsucht nach Märchen. "Ein Wort wie Anstand war von keinem Märchen zu befürchten, und doch handelten sie von nichts anderem. Sutter begriff, dass Anstand ein Wort von hohem Adel war, solange es nicht ausgesprochen wurde. Nur zum Handeln war es gut. Dann verwandelte es Frösche zu Prinzen und Stroh zu Gold. (...) Märchenadel ist vom selben Stoff wie unser Dasein, aber wenn es zu Pech wird, fährt es zu strahlen fort. (...) Die Märchen verdrängten nichts, und sie öffneten keine Tür. Sie zeigten nur, dass sie schon offen war, die Tür zum Jenseits von Gut und Böse, Leben und Tod." (45) Die Märchen sagten, "dass auf der anderen Seite des Daseins, im Licht des Nichtseins, noch große unentdeckte Länder liegen". (46)

Es wurde so ausführlich zitiert, weil hier die Philosophie des ganzen Romans verkündet ist. Sutters Erinnerungen kreisen darum. Andere Meinungen werden sarkastisch dargestellt. So die "Selbsterfahrungsgruppe", zu der Ruth von sogenannten Freunden gedrängt wird und wo man sich darauf etwas einbildet, Anstand nicht zu kennen. So auch diejenigen Freunde, die sich von der Politik ab und der Esoterik zugewandt haben, vermischt mit umgedeutetem Christlichen.

"Die sogenannte Selbsterfahrung hatte Ruth tiefer beleidigt als der Befund der Medizin. (Es) kam ihr vor, als habe sie in ihrer Gruppe nur falsche Wörter gehört, und alle im Schutz größter Ehrlichkeit mit sich selbst". (48f) Sutter bekennt, an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, wie viele falsche Wörter er selbst ihr zugemutet hatte. Und wie oft hatte er schlafen können, während sie litt. "In unserer Liebe ist kein Ort, wo der Verrat nicht sitzt. Jederzeit kann er uns vorführen. Dass er mächtiger ist als sie, die Liebe, und als jegliche Scham. Streng dich nicht an, Sutter, sagte die Liebe und fügte ‚bitte‘ hinzu, Ruths stärkstes Wort, selten gebraucht. Du kannst doch zaubern. Du hast zweierlei, was mir hilft. Das zweite waren die Märchen. Das erste, noch immer: dass er sie in den Arm nahm." (61f)

Wenn es um Ruth geht, ist der Ton des Erzählers nicht sarkastisch. Sutter erinnert sich auch an ihre jährlichen gemeinsamen Urlaube im Engadiner Hochtal, in Sils, in der Pension vom alten Fräulein Bazzell. Und dann an das letzte Mal, wie sich Ruth eines Nachts, während er schlief, aus dem Bett schlich, einen alten Armeemantel der 70er Jahre mit großen Taschen anzog, die sie mit Steinen belud, und in den See ging. Als Sutter wach wurde, war es schon geschehen.

In Sutters Erinnerungen kommen auch Bekannte vor, deren bizarre Geschichten einen breiten Raum einnehmen. Ich werde die Personen nur kurz benennen:

Leonore, genannt Leo, in deren Praxis Sutter von Ruth geschickt wurde wegen seiner Rückenschmerzen, und die ihn verführte.

Der Exmann von Leonore, Jörg von Ballmoos, Maler.

Seine zweite Frau, Yalukka, die ihren ersten Mann Hellmuth aus der ehemaligen DDR mit einem Beil erschlug, nachdem sie ihn wegen des Malers verlassen hatte. Sutter berichtete davon als Gerichtsreporter. (Der Bericht wird seitenlang im Roman zitiert. Man erfährt: Sutters Spekulationen über die Motive der Tat, seine Umdeutung von Täter und Opfer, gaben dem Prozeß eine günstige Wendung für ein mildes Strafmaß.)

Siggi die Tochter von Yalukka und Hellmuth, beim Prozeß achtjährig, von Leonore und Jörg von Ballmoos aufgenommen.

Zurück zu Sutters Aufenthalt im Krankenhaus: Bizarr geht die Erzählung weiter. Der Spitalseelsorger Zimmermann besucht Sutter, nachdem er in dessen Wohnung eingebrochen war. Daraus bringt er Kleidung mit und eine "Silser Kugel" aus Sutters Hosentasche; die Kugel ist aus zahllosen trockenen Lärchennadeln von Wind und Wellenschlägen geformt (121). Er zieht auch sein Neues Testament hervor und spricht von diesem Büchlein, das sei "nur ein Wurmfortsatz am Corpus der Antike, eine Sprechblase, auch wenn sie zu einer Heilsgeschichte aufgepustet wurde" (115). Der Seelsorger ist keiner. Er gefällt sich in seinen Bonmots. Er spiegelt Sutters Weltsicht. Auf die Frage nach dem mutmaßlichen Täter des Anschlags auf Sutter antwortet dieser: "Das Subjekt, Herr Pfarrer, hat sich aus unseren Sätzen so gründlich entfernt, dass wir sein Fehlen kaum noch bemerken. Glauben Sie nicht, ich frage nach dem Täter der Tat, die mich zum Fall gemacht hat. Ich frage nach ihrem Subjekt. Und nennen Sie das nicht zu fix eine theologische Frage. Ich? fragte der Pfarrer. Ich doch nicht. Die Theologie, Herr Sutter, ist ein Abwesenheitsverfahren. Da gilt nicht einmal mehr: in dubio pro Deo." (118) Zur Frage nach diesem Subjekt der Tat heißt es an anderer Stelle über Sutter, dass er bei dieser Suche "immer nur auf sich" stieß (150).

II Gespenster

Sutter ist wieder zu Hause. Der Freund OFritz (O wegen seiner scheußlich-jammernden Redegewohnheit als Pfarrer) kommt, ihm ist die Frau weggelaufen, und er beklagt sich. Der Erzählton bleibt in der Beschreibung wie in den Dialogen betont sarkastisch. Es folgen Mutmaßungen über die Hintergründe des Anschlags. Sutter denkt dabei an Jörg von Ballmoos. Ein Briefwechsel zwischen diesem und Sutter wird seitenlang zitiert. Der Begriff "postmodern" fällt einmal in ironischer Bedeutung in einem Brief Sutters an den Maler. Er ist bezogen auf den Ehemann von Yalukka, der sie, um ein Portrait von ihr zu haben, zu dem Maler schickte und so den Ehebruch ermöglichte. "Hellmuth war bereit, aus Frankfurt/Oder einen großen Schritt in die Postmoderne zu tun. Und ein kleines Portrait würde auch nicht alle Welt kosten." (167)

Sutter beobachtet immer wieder die Katze, die verschwunden war und nun wieder da ist, wie sie sich auf Ruths Schuhen zusammenrollt. Er denkt: "Leibhaftig bleibst du im Nachgeschmack deiner Füße. Ja, Ruth, ich sehe Gespenster." (189)

III Im Hochtal

Sutter füttert die Katze ein letztes Mal. Er bringt sie ins Tierheim wie alle Jahre vor den 10 Tagen Urlaub in Sils. Mit Ruths Urne in einer XXL-Plastiktüte will er nach Sils fahren. Das Auto bleibt liegen. In einem einsamen Gasthaus auf der Strecke übernachtet er. Eine längere Szene in der Kneipe mit Barfrau, einem Betrunkenen vor laufendem Fernseher und Sutter gefällt mir. Sutter fährt am nächsten Tag weiter. Er nimmt eine 14jährige mit, die am Knöchel verletzt ist, Viola. Die macht Anspielungen auf ihre Mutter, macht Schießbewegungen. Das Auto kommt in Sils an. Er betritt die vertraute Pension, aber erkennt sie kaum wieder. Der Parkplatz ist voller Fahrzeuge, einige Gesichter kommen ihm bekannt vor. Er erfährt: Fräulein Bazzell ist gestorben. Wieder bizarre Szenerie, die Pension neu eingerichtet als Seminarzentrum, wo Energie fließen soll. Ein Erzähl-Seminar findet statt. Eine der Übungen ist: Es gibt Eintragungen von Gästen im Gästebuch der 50er Jahre; zu jedem der alten Namen muß ein Übender eine Geschichte erfinden und erzählen. Eine Empfangsdame zu Sutter: "Ich habe das bestimmte Gefühl, dass sie gestern von jemandem erzählt worden sind. Das finde ich heraus, Herr Sutter. Wäre doch fabelhaft, wenn ich Sie einander vorstellen könnte." (259) Wie reagiert Sutter? Er findet das ironisch "fabelhaft" und verlangt das bestellte Zimmer Nummer 21 wie jedes Jahr. Danach fährt er Viola ins "Waldhaus". Er sieht, wie sie auf eine Frau zurennt: Es ist Leonore. Viola ist Siggi, die Tochter Yalukkas. Er bleibt ungesehen, zieht sich zurück an einen Ort, wo er mit Ruth war. Er mietet eine Kutsche, lässt anhalten, weil ein Mann auf einer Bank stöhnt und scheinbar Hilfe braucht, sieht nach, nein, es war Lachen, das des Malers Jörg von Ballmoos. Er nimmt Sutter mit ins "Waldhaus", wo er wohnt mit seinen beiden Frauen Yalukka und Leonore. Er erzählt Sutter die Geschichte seiner Degradierung und wie es zum Bündnis der Frauen kam, wobei Siggi eine Rolle spielte. Es ist wieder das Verwirrspiel um Täter und Opfer.

Später will Sutter von einem Fischer ein Boot für den nächsten Morgen leihen. Er vermacht dem Fischerpaar Ruths Katze, sie ihrerseits ihm eine "Silser Kugel". Am Morgen fährt er auf den See hinaus und versenkt die Urne mit Ruths Überresten. Nicht, ohne sich Gedanken über den Tod zu machen und die Bedeutung des Wortes "Todeskampf", das sei nämlich Kampf für den Tod, nicht um das Leben (320). Wieder das Motiv der Entwertung und Umdeutung. Seine Totenrede: "Für gar nichts wird dein Wirbel nicht gewesen sein, auch wenn sein Drehsinn von Unsinn selten zu unterscheiden ist, und hinterher gar nicht mehr. Doch darauf kommt es nicht an. Denn der Strom ist mächtig, alles, was ist, ist Strom." (324)

Es folgt das Bild vom Stein, in den der Strom Form gebildet hat, Maserung, Karat, und "der Strom ist nichts anderes als fließende Form, ohne Anfang und Ende" (325).

Sutter springt vom Boot, beschwert mit einem Rucksack voller Steine. Eine Surfboarderin (es ist Siggi/Viola) und der Bootsbesitzer versuchen noch vergeblich die Lebensrettung.

Was ist in dieser Roman-Welt los? Warum das Gefühl von Ärgernis beim Lesen? Meine These: wegen der aufdringlichen (postmodernen?) Weltanschauung in Inhalt und Stil.

Die Menschen und ihre Anschauungen: Sie sind distanziert, Floskeln aufsagend, ihre Leiden plakativ. Für sie gilt "Der große Entwurf (war) abhanden gekommen." (126) Ihre Sprache ist ironisch bis sarkastisch, die Bedeutung der Worte entleert. Beispiele: "Aber noch kann ich das Nichts malen, sogar in Form eines Konzernherrn. Es ist ein mystischer Vorgang." (176) - "Der Mensch ist kein gutes Tier." (173) Oder: die gewollte Nicht-Bedeutung: Sutter hieß ursprünglich Gygax. Das gibt 23 Punkte beim Scrabble. - Oder: Sutter wird immer um 23.17 Uhr angerufen. Er stellte Rechnungen mit der Quersumme an. Zählte er zwei Rufzeichen dazu, so kam er auf die Zwölf, die Zahl der Monate, Sternzeichen und Apostel." (24)

Die Sprache des Romans: Sie ist unernst, nur über Ruth wird nicht so gesprochen. Die Bildmotive (z. B. Der Wirbel, Der Strom, Die Silser Kugel) entwerfen eine Sicht der Welt, in der es sinnlos zugeht, und jenseits der Zeitlichkeit, wo alles ohne Anfang und Ende ist, ist alles gleich-gültig.

Ich begreife mein Ärgernis: Die Menschen werden nicht introspective dargestellt, sie hängen wie Marionetten an ihren Sprachspielen. Die Handlungen erscheinen willkürlich. Systematisch wird Sinn zersetzt. Und doch gibt es etwas Widerstand im Roman, nämlich die Beziehung zwischen Sutter und Ruth, von der er sagt, "...es blieb eine Liebe bis fast zu ihrem letzen Tag" (210). Dadurch ereignet sich Rettung, und dann auch durch die Märchen.

Man könnte über das Thema des Märchenerzählens weiter nachdenken - über die dargestellten zwei unterschiedlichen Qualitäten des Erzählens:

1. dasjenige, wie es Sutter für seine Frau tut. Sein Vorlesen der Grimmschen Märchen ist rettend.

2. Sutters "Prozessmärchen", seine Spekulationen in Gerichtsprozessberichten. ("In den Irrgärten und Dickichten der Märchen war das Wahre angemessen versteckt. In Sutters Prozessmärchen war es unanständig aufgedonnert. Ihre sogenannten Fakten entfernten den Betrachter nicht nur von den Tatsachen. Sie berührten nicht einmal die Oberfläche." 191f)

Dies ist vergleichbar auch mit der Weise, wie im Erzählseminar in Sils Erzählen gelehrt wird.

Zurück zur Ausgangsfrage: Was ist oder war Sutters Glück? Dass er eine Hilfe für seine Frau war? Dass er in "Anstand" mit ihr leben konnte? Mit dieser Antwort schwimmt man gegen den Strom des Romans, in dem penetrant ent- und umgewertet wird. Und doch ist der Gedanke nicht willkürlich. Der Roman enthält selbst diese mögliche Antwort.

Juni 2001

Gisela Böckler

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