Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 3 (2002), Heft 1


 

Die Marburger Künstlerin Louisa Biland

 

"In meinen Arbeiten ist es mir wichtig, bei aller Schönheit und gelungener Form den "unsichtbaren" Bruch jedweder "Wirklichkeit" erkennen zu lassen, worin dann der Betrachter seine Rolle spielt ..." (Louisa Biland)

 

 

 

Louisa Biland

Studium am Institut für Malerei und Grafik der Universität Marburg und an der Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka. Lebt und arbeitet in Marburg. Einzel- und Sammelausstellungen u. a. in Paris, San Francisco, Poitiers, Maribor, Gießen, Hanau/Wilhelmsbad, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Marburg, Coburg, Fulda, Bremerhaven, Minden.

 

Öl auf Leinwand, 100 × 78   1999 

 

"Louisa Biland ist auch keineswegs "von Jugend auf" Malerin gewesen. 1925 in Lischeid, im südwestlichsten Zipfel des hessischen Schwalm-Eder-Kreises als Tochter des dortigen Pfarrers und seiner  literarisch interessierten Ehefrau geboren, besuchte sie von Goßfelden aus, wo ihr Vater (...) die Pfarrstelle übernommen hatte, die Elisabethschule im nahen Marburg, machte gegen Kriegsende ihr Notabitur, erkrankte danach schwer, holte dann das reguläre Abitur nach und begann an der Universität Marburg ein Studium der Germanistik und Soziologie"(Jürgen Wittstock: Die Malerin Louisa Biland. Die folgenden Zitate entstammen demselben Text. )

  

 

Öl auf Leinwand, 112 × 85   1999

 

 

 

 

Öl auf Leinwand, 100 × 80   2000

 

 

"Als Malerin ist sie erst seit 1964 tätig, nach Überwindung einer weiteren schweren Krankheit und nach Veränderung der von ihr mehr und mehr als Einengung ihrer Persönlichkeit empfundenen Lebensumstände."

 

 

Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm   2001

 

 

 

 

Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm   2001

 

 

  "Der zentrale Begriff meiner schöpferischen Arbeit von Anbeginn an ist ... die BALANCE - ein "Kraftfeld" von Harmonie und Widerspruch. - Ins Bild gesetzt ist sie in den 80er Jahren z. B. in der Figur, die auf der Spitze tanzt ... Der Dialog beginnt ..." L.B.

 

 

Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm   2001

 

 

"Die wissenschaftliche Arbeit, zu sehr verknüpft mit dem von ihr in aller Konsequenz beendeten ersten Lebensabschnitt, wurde abgebrochen. Dennoch sind für Louisa Biland Philosophie und Literatur ein wesentliches Element ihres Lebens geblieben. Vor allem die griechischen Philosophen und aus dem 20. Jahrhundert Ernst Bloch und Paul Tillich sind ihr wichtig, in der Literatur sind es die großen Erzähler Theodor Fontane, Thomas Mann und Wilhelm Raabe, aber auch Dramatiker, Poeten und Romanciers wie Bert Brecht, Georg Bücher, Friedrich Dürrenmatt, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und andere mehr."

  

Öl auf Leinwand, 91× 64 cm   2001

 

 Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm   2001

 

"Die 60er Jahre sind also für Louisa Biland eine Zeit des Neuanfangs. So konsequent, dass sie einen neuen, ihren heutigen Namen annimmt. (...)

Prägend war für Louisa Biland vor allem die Begegnung mit den Werken der Informellen auf der 2. documenta von 1958, deren malerische Freiheit in ihrem Werk eine nie geleugnete Komponente geblieben ist, auch wenn sie im Verlauf der Jahre nicht immer die gleiche Betonung gefunden hat."

 

"Die technischen Grundlagen für die Kunst Louisa Bilands wurden über das Institut für Malerei und Grafik der Marburger Philipps-Universität bei Heinrich Höhl erworben. Die Ausbildung war intensiv, täglich wurde im Ernst-von-Hülsen-Haus, wo das Institut im Dachgeschoss untergebracht war, von 9 bis 17 Uhr gemalt, gezeichnet,                   experimentiert. Ein Aufenthalt an der Sommerakademie von Oskar Kokoschka in Salzburg war der Höhepunkt innerhalb der Ausbildungszeit (...)"      

 

Öl auf Leinwand, 50 × 40 cm   2001

 

"Denn die Bilder von Louisa Biland entstehen nicht aus einer festen Zielvorstellung heraus, sondern aus der Lust am Gestalten, aus der Lust, vielleicht sogar aus einem gewissen moralischen Zwang heraus, der mehr oder minder banalen und brutalen Welt, die unser alltäglicher Lebensraum ist, eine Gegenwelt der Sensibilität, der Schönheit, des menschlichen Ausdrucks, der Freiheit entgegenzusetzen."

 

Öl auf Leinwand, 100 × 96 cm   2001

 

Öl auf Leinwand   2001

 

"Wie befreit, wie beseelt arbeitet sie [nach dem Fall der Mauer] an ihren Bildern, die alles übertreffen, was sie bisher gemalt und gezeichnet hat."