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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 3 (2002), Heft 3
Ingrid HermentinTranskriptionen und andere ProjekteComputergrafiken
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"Die Ambivalenz der 'technisierten Gegenwart' aufzuzeigen
und Zeichenphänomenen, die in Information umgesetzt und abgespeichert
werden, Gestalt zu verleihen, fordert geradezu die Benutzung eines
'Distanzinstruments': 'des Computers'": |
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A/B-IIk (1998) 60×60 cm |
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"Die menschliche Wahrnehmung in einer digital und medial
angelegten Welt ist eines der zentralen Themen, mit denen sich Ingrid
Hermentin in ihren Arbeiten auseinandersetzt. Die zunehmende Digitalisierung
schaffe eine Distanz, über die der Mensch die Welt nicht mehr unmittelbar,
sondern indirekt, vermittelt über ihre mediale Aufbereitung erfahre.
Ingrid Hermentin setzt den Computer als Werkzeug und Ausdrucksmittel
ein, um diesen Distanzierungsprozess gestalterisch nachzuvollziehen."
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Fries B/H-Ia (2002) 672×84 cm
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Fries C/B-V+ I/C-I (2001) 588×84 cm
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Fries G/B-Ia (2002) 672×84 cm
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Unsere Körper werden schlaff, alt, hinfällig oder von Schmerzen
gequält. Der Wunsch nach Gestaltung bzw. Umgestaltung wächst. Genügt
es, nur einen Körper zu haben? Aus dem "Sein zum Tode"
wird ein Eingriff ins technisch manipulierte und produzierte Leben.
Das Virtuelle verknüpft das Bild und den Körper auf eine neue Weise.
Mein Gesicht (Realkörper) wird direkt eingescannt, durch Bearbeitung
in eine körperlose Oberfläche verwandelt und erscheint als flüchtiger
Hintergrund. Die Überlagerung mit Informationszeichen, genetischem
Code und generiertem Text wird zum Zeichen.
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G/SH-IV (2000) 160×80 cm
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I/H-I 1997 160×80 cm
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I/H-X_Menschen_würde[n...] (2001) 375×125
cm
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"Schemenhafte Gesichter schweben im luftleeren Raum. ...
Ingrid Hermentins Bilder hinterlassen ein unbehagliches Gefühl,
das sich noch verstärkt, wenn man sich den nicht auf den ersten
Blick ersichtlichen Herstellungsprozess vor Augen führt. Was auf
den ersten Blick wie verfremdete Fotos wirkt, sind elektronische
Abbilder lebenden Fleisches. Die Marburger Künstlerin ... hat Gesichter
von Frauen ... direkt eingescannt. Mit der unangenehmen Prozedur
versetzt sie die Gesichter unmittelbar in den virtuellen Raum und
bearbeitet sie mit handelsüblicher Bildbearbeitungs - Software.
... Um dem Auge zumindest einen Anhaltspunkt zu liefern, hinterlegt
die Künstlerin ihre synthetischen Bilder, die durch den Prozess
des Druckens erst realen Charakter erhalten, mit vom Computer verschlüsselten
Schriftzeichen. Wie Mikrochips fliegen sie durch den leeren Bildraum,
dessen perspektivische Sogwirkung bis ins Unendliche zu reichen
scheint." |
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Sequenzierung mit Oligomeren IV (1994)
160×56 cm
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Z/R-VIIb (1996) 430×85 cm
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"Durch Computertechnologie verfremdete Gesichter, Augen,
Schriftzeichen sind die Sujets von Frau Hermentins Arbeiten. ...
Die gerasterten, verzerrten aufgelösten Gesichtszüge wirken wie
verfremdete verlorene Bilder, wie Mitteilungen, die ihr Ziel nicht
mehr erreichen können, wie Bruchstücke einer in Einzelteile zerfallenen,
nicht mehr einfach erlebbaren Wirklichkeit. Das individuellste Merkmal
der Persönlichkeit, das Gesicht, wird bei ihr zum Spielmaterial.
Doch gerade in der Auflösung liegt die Schönheit dieser Bilder."
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Z/R-IV (1996) 430×85 cm
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"Mit den "Digitalen Collagen" versucht die Künstlerin,
sich philosophischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fragestellungen
interdisziplinär zu nähern. Aus dem Bereich der Gentechnik verwendet
Ingrid Hermentin beispielsweise Bilder von Sequenziergelen, um auf
die Analogien zwischen Mensch und Computer hinzuweisen: Im Sequenziergel
sind Geninformationen wie auf einer Computerplatine gespeichert.
Zudem integriert sie eigene und von Vilém Flusser verfasste Texte
in ihre Arbeiten. Durch die Überlagerung von Bild und Schrift möchte
sie dem Betrachter vermitteln, dass gedankliches und bildliches Gestalten
zwei sich bedingende und ergänzende Fähigkeiten sind."
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Ingrid Hermentin 1951 in Baden-Württemberg geboren; lebt
seit 1981 in Marburg; E-Mail: Ingrid.Hermentin@t-online.de Preise und Auszeichnungen 1992 Auszeichnung der Hamburgische Kulturstiftung
(Prisma-Preis-Wettbewerb); Einzelausstellungen (Auswahl) 1993 Schloss Blutenburg, München; Gruppenausstellungen (Auswahl) 1992 "Kunst im Finanzamt“ (unter
der Schirmherrschft der Hessischen Finanzministerin), Finanzamt
Marburg; |