Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 4 (2003), Heft 3


Manuela Lenzen, Natürliche und künstliche Intelligenz. Einführung in die Kognitionswissenschaft. Campus Einführungen, Campus Verlag, Frankfurt am Main und New York 2002,  Taschenbuch, 163 Seiten, ISBN 3-593-37033-6, 12,90 €

„Die Erforschung des menschlichen Geistes ist eines der spannendsten Unternehmen der Wissenschaft. Die Kognitionswissenschaft erforscht nicht nur abstrakte intellektuelle Leistungen wie etwa das Schachspiel, sondern die ganze Palette der Intelligenz: Sprache, Gedächtnis, Lernen, Wahrnehmung und Bewegung, neuerdings auch Emotionen und Bewusstsein.“ (166)

Und genau das ist das Problem. Die sogenannte „Kognitionswissenschaft“ ist eine aus dem kleinsten gemeinsamen Nenner von behavioristischer Psychologie, tierischer „Körperintellingenz“- und „prärationaler Intelligenz“-Forschung, materialistischer Sinnes- und Nerven-Physiologie und -Psychologie, Informatik, Informationswissenschaft und mechanistischer Mathematik hervorgegangene Forschungsrichtung, aus der in den vergangenen Jahren auch ein einflussreicher ideologischer Überbau des gesellschaftlichen Selbstverständnisses von Intelligenz und Bewusstseins entstanden ist.

Die Wissenschaftsjournalistin Manuela Lenzen hat nun ein kleines, dichtes, allgemeinverständliches Einführungs-Buch in journalistisch-aufklärerischem Stil über die Versuche der „Kognitionswissenschaft“ seit den 80er Jahren geschrieben, den menschlichen Geist nach dem Vorbild von Computer- und Datenverarbeitungsmodellen zu erklären. Der Überblick ist ihr gut gelungen, denn das flott geschriebene Buch bietet auf wenigen Seiten einen präzisen und dabei nicht unkritischen Überblick über den aktuellen Stand der sogenannten künstlichen Intelligenzforschung. Dabei wird u.a. deutlich,

dass in der ersten Phase der „Kognitionswissenschaft“ von den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bis etwa zur Jahrtausendwende das menschliche Bewusstsein tendenziell als eine Art fortgeschrittener Computer auf der Basis elektro-biologischer neuronaler Netzwerke erklärt werden sollte, womit die Hoffnung verbunden war, das Geheimnis des menschlichen Selbst auf der Grundlage der Analyse materieller kausaler Mechanismen des Gehirns vor allem elektrischer und chemischer Art endgültig auf seine physiologischen Grundlagen reduzieren zu können;

dass in der seit einigen Jahren einsetzenden zweiten Phase der Entwicklung dieser Wissenschaft eine kritischere Selbstbesinnung einsetzt, die die bisher relativ engen Grenzen der stark naturwissenschaftlich-verhaltensorientierten „kognitionswissenschaftlichen“ Forschung zunehmend auf interdisziplinäre und allgemein menschliche Gesichtspunkte jenseits der reinen Intelligenz und des einseitig funktional verstandenen Bewusstseins zu erweitern sucht, wobei allerdings bisher unklar bleibt, wo die Grenzen dieser neuen Ausrichtung liegen, was gegenwärtig zu einer Art „neuen Unübersichtlichkeit“, aber auch zu einer gewissen Aufbruchstimmung und zu (bisher mehr oder weniger unkoordinierten) Versuchen einer neuen transdisziplinären Standortbestimmung der Kognitionswissenschaft führt;

dass drittens die neue Computer- und Roboter-Generation des 21. Jahrhunderts u.a. durch Einbeziehung der neuen Biotechnologien und durch den transdisziplinären Zusammenschluß von technischen Materialien wie Computerchips mit lebendigem Nervengewebe immer menschenähnlicher gemacht werden soll, woraus deutlich wird, dass die erste Phase der „Kognitionswissenschaft“ mit ihrem vorwiegend instrumentellen Erkenntnis-Interesse als einflussreicher Unterbau auch noch der heutigen Reformtendenzen ungebrochen und mit sogar steigendem Einfluß weiterlebt.

Folgt man den sich in Lenzens sorgfältiger Darstellung abzeichnenden Perspektiven der „Kognitionswissenschaft“, die im wesentlichen auch heute noch weiterhin davon ausgeht, dass der Mensch nichts anderes als ein komplizierter biotechnologischer Computer ist, dann wird aller Voraussicht nach das Ergebnis sein,

daß erstens gemäß den durch die Kognitionswissenschaft vorausgesetzten erkenntniskritischen Ausgangspunkten und der sich aus ihnen ergebenden materialistisch-technologischen Ideologie die prinzipielle Unterscheidbarkeit von Mensch und Biomaschine im reifen 21. Jahrhundert unmöglich werden wird. Mit anderen Worten: setzt sich die Kognitionswissenschaft innerhalb der Pluralität der gegenwärtigen Ansätze, das menschliche Bewusstsein zu erforschen, als prägende wissenschaftliche Tendenz durch, dann ist eine langfristig folgenreiche Vereinseitigung des menschlichen Selbstverständnisses zur „weichen Maschine“ (William S. Burroughs) kaum zu vermeiden;

dass damit zweitens die Frage nach dem Menschlichen im Menschen und nach seiner Kultivierung, also die gesamte Tradition des abendländischen Humanismus, im wesentlichen obsolet sein wird;

dass damit drittens eine Ablösung des Verständnisses von Emanzipation und Aufklärung von ihren traditionellen humanistischen Grundlagen erfolgt;

und dass viertens die „organische“ Verbindung von Mensch und Maschine zum biotechnologischen Hybridwesen (zum Beispiel durch Computerchip-Gehirnimplantate, die dem Gehirn eine „größere Speicherkapazität“ ermöglichen und also gemäß der vorherrschenden Ideologie der „Kognitionswissenschaft“ nichts wesentliches am Selbst und seinen Modi verändern, sondern einfach zu einer größeren Intelligenz führen) ungebremst bevorsteht.

Was der australische Künstler und Universitätsprofessor Stelarc schon seit Jahren weltweit als angebliche Avantgarde des künftigen „Supermenschen“ des 3. Jahrtausends vorführt: die Hybridisierung von Mensch, gezüchteter Biomasse, Computerchip und Maschine, steht, wenn sich die auch heute noch weiterhin gültigen wesentlichen ideologischen Grundprämissen der „Kognitionswissenschaft“ mit ihrer einseitig materialistischen Vorstellung des menschlichen Bewusstseins durchsetzen, vor einem unaufhaltsamen Siegeszug. Auch wenn Lenzen hie und da darauf verweist, daß das Ganze zunehmend von einem „kritischeren Bewusstsein“ begleitet wird, das auf sich selbst eine Art Dialektik der Aufklärung anwenden und eine „typische Vielfalt in Fragestellungen und Methoden“ (144) praktizieren würde, bleibt das doch das unausweichliche Ergebnis ihrer Darstellung.

Denn von einem wirklich nachhaltigen Einfluß eines kritischen, vor allem: erweiternden und integraleren Verständnisses der kognitionswissenschaftlichen Intelligenz- und Bewußtseinsforschung ist bisher weder in den Grundschriften ihrer wesentlichen Vertreter, noch in der Selbsthinterfragung der sich aus ihren Prämissen ergebenden Perspektiven etwas zu spüren. Die Frage nach dem Wesen des Menschen im Unterschied zu Tier und Maschine wird mehr oder weniger pauschal als „überholt“ abgetan, Freiheit und Menschenwürde gelten unter den Prämissen der hier nach wie vor zentral dominierenden „Hoffnung, dass Maschinen vielleicht einmal auf allen rein intellektuellen Gebieten mit dem Menschen konkurrieren“ (Turing, 21) als „zu überwindende Kategorien“ (Skinner), und das „kritische Bewusstsein“ bezieht sich hauptsächlich auf die Optimierung der eigenen Effizienzstrategien.

Dabei sollte „Kognitionswissenschaft“, die näher betrachtet nichts anderes als eine interdisziplinär ausgeweitete und im Zusammenspiel mit anderen materialistischen Erkenntniszweigen „reziprok assimilierte“ (Piaget) naturwissenschaftlich-technische Gehirnwissenschaft im Fortschrittsgeist der ersten Moderne ist, viel genauer „materialistisch-reduktionistische Gehirnwissenschaft“ heißen. Denn „Kognitionswissenschaft“ steht bis heute nicht für eine objektive oder gar integrative wissenschaftliche Schule, die sich die Erkenntnise verschiedenster Gebiete wie Psychologie, Philosophie, Soziologie und physiologischer Gehirnforschung gleichberechtigt zunutze machen und sie in einen interdisziplinären Gesamtentwurf integrieren würde. Sondern dieser Name steht viel eher für eine weltanschauliche Gruppe von Forscherinnen und Forschern, die davon ausgehen, dass alles am menschlichen Geist und am Gesamtspektrums des Bewusstseins, das in der Raum-Zeit vorhanden ist, nur ein Produkt komplexer elektrischer und biochemischer Leitermechanismen ist.

Das aber ist nicht nur eine folgenreiche Vorentscheidung, die an der Grundlage dieser gesamten „Kognitionswissenschaft“ steht. Sondern ihr Name ist unterschwellig auch Programm für ihren expansiven Geist, der sich heute in der Tat, wie Lenzen hervorhebt, im Gegensatz zur oben genannten, vergleichsweise eng umgrenzten Hoffnung von Turing über das „rein intellektuelle Gebiet“ hinausbegibt, sämtliche bisherigen Geltungsansprüche überschreitet, die ihr aufgrund ihrer physiologisch-technischen Ausrichtung zukommen, und sich anschickt, aus einem einzigen Gesichtspunkt heraus, nämlich dem physiologisch-mechanischen, den sie universalisiert und totalisiert, „die ganze Palette der Intelligenz: Sprache, Gedächtnis, Lernen, Wahrnehmung und Bewegung, neuerdings auch Emotionen und Bewusstsein“  zu erklären.

„Das Gehirn ist ein Computer, der Geist sein Programm“ (23): nach dieser Maxime werden von der „Kognitionswissenschaft“ bis heute alle „kognitiven“ Leistungen untersucht. Und die zentrale Frage für die Zukunft des Menschen und seines Bewusstseins von sich selbst lautet folgerichtig: „Wie suchen Computer nach Problemlösungen?“ (39) „Kognitive Prozesse, sagen Kognitionswissenschaftler, sind Prozesse der Datenverarbeitung“ (126), woraus sich dann „funktionale“ (26) Zukunftsfragen ergeben wie: „Wie kooperieren Menschen und Maschinen?“ (127), „Was nützen Gefühle?“ (132) (sic!), und: ist „Bewusstsein eine Besonderheit des Menschen?“ (136) Natürlich lautet die Antwort im wesentlichen nein, und die Tendenz in Richtung „humanoide Roboter“ (114), „künstliches Leben“ (117) und „Animaten“ (Kombinationen zwischen Tieren und Automaten) (119) sind das „natürliche“ Ergebnis dieser monologischen wissenschaftlichen Fragerichtung, die ihre eigene Welt konstruiert und dabei nicht merkt, dass sie zusehends alle Phänomene auf ihre eigenen Voraussetzungen hin umdeutet und dabei gewaltsam reduziert.

Was bedeutet das zusammenfassend? Die heutige „Kognitionswissenschaft“ mit ihrem eindimensionalen „Computermodell des Geistes“ (142) nennt sich deshalb „Kognitionswissenschaft“, weil sie

erstensden Anspruch hat, das gesamte menschliche Bewusstsein in seinem vollen Spektrum von Phänomenen mehr oder weniger rückhaltlos aus materiell-neuronalen Netzwerken und Prozessen herleiten zu können;

weil sie dabei zweitens davon ausgeht, dadurch das „alte Körper-Geist-Problem“ endgültig durch „Integration“ des Geistes in den Körper „aus der Welt schaffen zu können“;

und weil sie sich dabei drittens – mit nur wenigen und bisher wenig überzeugenden kritischen Selbstbeschränkungen und Differenzierungen - als „die“ Wissenschaft des Bewusstseins versteht.

Angesichts der außerordentlich engen Bandbreite ihres Erkenntnisinteresses und ihrer Methodologie ist es aber überzogen, hier im eigentlichen Sinn des Wortes von einer „Kognitionswissenschaft“ zu sprechen; eher müsste von einer „materialistischen Schule der Intelligenz- und Bewusstseinsforschung“ die Rede sein, der eine Reihe von Forschern aus verschiedenen Disziplinen angehört, die gemeinsame ideologisch-heuristische Vorentscheidungen und ein gemeinsames Erkenntnisinteresse teilen.

Fazit? Die Erforschung des menschlichen Geistes ist in der Tat eines der spannendsten Unternehmen der Wissenschaft der Gegenwart, wie Manuela Lenzen ganz zu Recht anmerkt. Und die bisherigen Versuche der „Kognitionswissenschaft“ haben dazu bisher einige wichtige, zum Teil sogar bedeutende Beiträge erbracht, die sich vor allem auf instrumentelle und materielle Aspekte der Bewusstseinsforschung beziehen.

In den heutigen Erscheinungen der „Kognitionswissenschaft“ wird aber zugleich Geist vielfach auf einen kümmerlichen, letztlich unerklärbaren elektrisch-chemischen Spuk in neuronalen Netzwerken nach dem Vorbild des Computers erklärt. Der schöpferisch-individuelle menschliche Geist soll hier also nach einer seiner Maschinen, die er selbst gebaut hat, erklärt werden, und es wird versucht, ihn auf ihre Mechanismen zu reduzieren. Damit wird aber die Welt auf den Kopf gestellt. Denn das menschliche Bewusstsein ist das Primäre, und die von ihm hervorgebrachte Maschine das Sekundäre. Das Bewusstsein muß zuerst da sein, damit der Begriff Maschine überhaupt erst gebildet werden kann. Außerdem ist mir mein Bewusstsein individuell ganz anders gegeben als ein neuronaler Netzwerkimpuls. Gerade die systematische Nichteinbeziehung von solchen wichtigen, wenn auch zum Teil nicht-naturwissenschaftlichen, nicht quantitivaten, sondern eher geistes- und sozialwissenschaftlichen, qualitativen Erfahrungsaspekten durch die heutige „Kognitionswissenschaft“ beschwört ernste, tiefgreifende Probleme herauf.

Manuela Lenzen hat diesen wichtigen und emblematischen Prozeß in der gegenwärtigen Wissenschaftsentwicklung populärwissenschaftlich in übersichtlicher Weise dargestellt. Leider sind ihre gelegentlichen kritischen Differenzierungsversuche in der Mehrzahl letztlich nur Belege für den im wesentlichen selbstaffirmativen Charakter der heutigen „Kognitionswissenschaft“. Dem entspricht auch der Literaturapparat, der – mit wenigen Ausnahmen – einseitig der Ideologie der Kognitionswissenschaft (hauptsächlich ihren angelsächsischen Vertretern) verpflichtet ist. Die schwerwiegenden inneren Probleme der „Kognitionswissenschaft“, die sich aus ihren einseitigen wissenschaftstheoretischen und heuristischen Grundlagen ergeben, sind der Autorin dieser Einführung natürlich nicht vorzuwerfen. Manuela Lenzen hat einen historischen Überblick geliefert, sich im gegebenen Raum immer wieder zu differenzieren bemüht und den Ausblick durchaus offen gestaltet, indem sie zu Recht darauf hinweist, dass das reine Computermodell des Geistes heute nicht mehr ausreicht und daher heute auch in der „Kognitionswissenschaft“ mit erweiterten Fragen nach Mensch, Leben und Bewusstsein gerungen wird.

Trotzdem hätte Lenzens Darstellung selbst nicht nur über ihre diesbezüglichen Versuche hinaus (siehe u.a. 64ff, 136, 140ff) affirmativ-kritisch, sondern auch integraler sein müssen. Sie hätte vor allem die Möglichkeit einer integraleren Wissenschaftstheorie, die die berechtigten Fragestellung und Ergebnisse der Kognitionswissenschaft voll anerkennt und einbezieht, aber nur als eine von mindestens vier Ebenen oder „Quadranten“ einer integralen wissenschaftlichen Gesamtsicht des 21. Jahrhunderts versteht, wie es zum Beispiel das integrale Wissenschaftsmodell Ken Wilbers, Clare Graves und Don Becks, aber auch einer ganzen Reihe anderer Schulen ermöglicht, zumindest mit berücksichtigen müssen. Die Intuition, dass einseitige Sichtweisen in ihrem jeweiligen Geltungsbereich oder Quadranten ihre volle Berechtigung haben und ein wertvoller Beitrag sind, aber in möglichst breiter Weise um alle anderen Logiken und Sichtweisen der anderen Geltungsbereiche oder Quadranten des erkenntnisorientierten Spektrum-Herangehens an das Rätsel des menschlichen Bewusstseins - so zum Beispiel um Introspektion, kulturwissenschaftliche und sozio-ökonomische Bewußtseinsforschung - ergänzt werden müssen, um nicht einseitig und damit zu einer „falschen Wahrheit“ zu werden, ist eine der prägenden Grundintuitionen, die am Beginn des 21. Jahrhunderts allenthalben in der wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Welt dämmern. Heute tritt eine große Tendenz in der Wissenschaft hervor: alles, was nicht integral ist, wird zusehends falsch und krankmachend: für die Wissenschaft selbst, aber auch für das gesellschaftlich-soziale Ganze. Eine immer größere Anzahl von Menschen spürt das instinktiv, zum Teil auch bereits bewußt. Diese Tendenz nicht zumindest ansatzweise kritisch einzubeziehen, ist ein kaum verzeihliches Versäumnis dieser Einführung. Dies vor allem angesichts der Tatsache, dass die Intelligenz- und Bewusstseinsforschung heute durchaus ein archimedischer Punkt ist, an dem das evolvierende kollektive und individuelle Bewusstsein sich auf immer integralere, vielschichtige Weise in seinem vollen Spektrum, seiner ganzen Tiefe und seiner vollen Schönheit selbst zu erfassen beginnen könnte.

Die Kognitionswissenschaft ist bisher vor allem für Menschen geeignet, die empfänglich sind für den Versuch, den Geist monokausal und monologisch-reduktiv zu erklären, weil das am einfachsten scheint; und daneben auch für solche, die bereits Anhänger eines einseitig materialistischen Verständnisses des Kosmos sind. Beide Gruppen sind aber heute faktisch bereits in der Minderheit. In Wirklichkeit kann die heutige „Kognitions“-Wissenschaft nur mit größter Großzügigkeit „Kognitionswissenschaft“ genannt werden, weil sie, um diesen Namen zu verdienen, zu viele andere Sichtweisen, Logiken und Erfahrungsbereiche – wie zum Beispiel diejenigen der philosophia perennis, der großen Weisheitstraditionen der Welt, der introspektiven Psychologie oder der neueren integralen Bewusstseinsforschung – außer Acht läßt. In diese monologische Wissenschaft bietet das Buch Lenzens freilich interessante, gut geschriebene Einblicke und einen historischen Abriß, die aber ohne eigene mehrdimensionale Beschäftigung mit der Materie letztlich vorkritisch bleiben müssen, weil sie nur eine systemimmanente,   affirmativ-kritische Bewertung ermöglichen, aber nicht integrativ-kritisch angelegt sind. Die „Kognitionswissenschaft“ ist heute, wie Ken Wilber einmal gesagt hat, trotz aller anerkennenswerten Errungenschaften letztlich nur ein Beispiel für die materialistische Leugnung des Bewußtseins durch sich selbst. Als solches Beispiel ist das Buch von Manuela Lenzen durchaus interessant und gewinnbringend zu lesen.

Roland Benedikter

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