Totentanz um den Papst
Einige kurze Bemerkungen zur Berichterstattung der Medien am Beispiel der FAZ
von Regina
Berlinghof
Bei allem Respekt für die menschliche Größe des
verstorbenen Papstes - ich habe nicht schlecht gestaunt,
wie sich die seriöse Tageszeitung FAZ eine ganz Woche lang
dem Personenkult ergeben und in ein Kirchenblatt der
ecclesia catholica triumphans verwandeln konnte. Viele
Katholiken in meinem persönlichen Bekanntenkreis – und
gerade die in der Gemeinde aktiven – differenzierten sehr
viel sachlicher und genauer zwischen dem charismatischen
Menschen Karol Wojtyla und dem erzkonservativen
Kirchenführer einer dogmatisch verkrusteten Kirche.
Immerhin ließ mich Patrick Bahners Leitartikel vom Samstag
wieder Hoffnung schöpfen, zitiert er doch schon im Titel
die Schrift des Ketzers Martin Luther „Von der Freiheit
eines Christenmenschen“. Vor allem die letzten Zeilen
Bahners: „Ihn (den römischen Papst) bindet weder
Landessitte noch Zeitgeist. Der römische Weltbürger ist
ein freier Herr und niemandem untertan, als freier
Christenmensch ein Beispiel für alle anderen“, setzen
wahrlich ein Zeichen für die Zukunft:
-
Wird doch dann der künftige Papst endlich Schluß
machen mit jenen mittelalterlichen innerkirchlichen
Bestimmungen des Corpus Iuris Canonici, die Geist und
Willen der Priester, Theologen und Ordensleute dem
absoluten Gehorsam ihrer „Oberen“ und der
Kirchenleitung unterwerfen und ihren Leib in den
Zölibat zwängen.
-
Wird doch dann der künftige Papst mit einem anderen
Verständnis der sexuellen Liebe die Verhütung erlauben
und damit nicht nur Abtreibungen durch Pfuscher
verhindern, sondern durch den Gebrauch von Kondomen
die AIDS-Verseuchung ganzer Kontinente stoppen.
-
Wird doch dann der künftige Papst dafür Sorge tragen,
daß die eine (weibliche) Hälfte der Menschheit nicht
länger vom Priesteramt und kirchlichen
Leitungsfunktionen ausgeschlossen bleibt.
-
Wird doch dann der künftige Papst die Selbstüberhöhung
der Menschen gegenüber den Tieren und die
vermeintliche Höherwertigkeit des Menschen aufgeben.
-
Wird doch dann der künftige Papst auch die Kirche mit
der Aufklärung versöhnen und die Worte Voltaires
beherzigen, der postulierte, Freiheit sei nicht die
Freiheit des Mächtigen (z.B. die desjenigen an der
Spitze einer mächtigen Institution) sondern die
Freiheit des Anderen und Andersdenkenden.
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