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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 6
(2005), Heft 3
Arne Rautenbergs Lyrik erinnert in ihrem Formbewusstsein an einen Balanceakt, der ihre Gegenstände in ein neu gefundenes Gleichgewicht schweben lässt, ohne dass deren Gewicht darüber vergessen würde. Artistisch werden – durchaus auch in poetischen Traditionen – zu Scheinvertrauten gewordene Begriffe aufgehoben: gleichsam zur Hand genommen, entstaubt, gewendet.
stern ist eines in einer Reihe von Gedichten, in denen Rautenberg „großen Wörtern“ in weitere Deutungsspielräume verhilft. An gewohnten Konnotationen beteiligte Vokabeln und Bildfelder werden aufgelöst, metaphorisch wie buchstäblich, Silbe um Silbe in den Blick nehmend. Die Aufteilung von Satz und Wort schafft das Gefüge der Mit-Teilung, gestaltet sie zu einem Vorgang, in dessen Verlauf der Leser Teilhaber von Sprache wird.
Sylvia Geist
Arne Rautenberg:
stern
längste längen
sicht und spür
bar über
brückend
spuckt der kalte
stern sein ende
aus strahlt bündel
weise rest
licht hängt im
raum ein fest
gefrorner schein
den hund ich nenn
den einen stern
da längst
kürzt sich sein
feuerschweif
rast ein
schlägt durch
pupillenschwarz als
abgebrannter
schluss
mir zu
Arne Rautenberg lebt als Autor und Künstler in Kiel. Zuletzt erschienen von ihm u.a. der Roman „Der Sperrmüllkönig“ (Hoffmann und Campe, Hamburg 2002) sowie der Lyrikband „einblick in die erschaffung des rades“, herausgegeben von Dieter M. Gräf (Darling Publications, Köln 2004). Er erhielt Auszeichnungen und Stipendien, u.a. das Stipendium der Arno-Schmidt-Stiftung 2000 und den Christine-Lavant-Publikumspreis 2001.