![]()
Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 7
(2006), Heft 1
Unter den Beiträgen Großbritanniens zur Weltkultur im zwanzigsten Jahrhundert ragt das Lebenswerk dreier bedeutender Männer hervor. Dies sind
Charly Chaplin,
George Orwell,
Bertrand Russell.
Auf unverwechselbar individuelle Weise hat jeder von ihnen die Menschheit – weit über ihren englischsprachigen Teil hinaus – um Wesentliches bereichert.
Charly Chaplin, der universelle Künstler und Clown, hat uns in seinen Filmen und Melodien Augen und Ohren für die Poesie des Alltagslebens geöffnet und vorgespielt: „Ein Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“ Mit seiner Hilfe gelingt es uns immer wieder, das Kind in uns zu bewahren und unseren inneren Clown wach zu kitzeln.
George Orwell, der satirische Schriftsteller, hat – früher und klarer als andere europäische Intellektuelle – den totalitären Kern des Marxismus-Leninismus begriffen und in seinen Büchern „Farm der Tiere“ und „1984“ einprägsame Fabeln, Formeln und Figuren dafür geschaffen. Sie bewahren auch heute – unter gewandelten Bedingungen – ihre warnende Bedeutung: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als die anderen.“
Bertrand Russell schließlich, der nobelpreisgekrönte Denker, hat eine umfassende Philosophie des Humanismus entwickelt, die ihre Bewährungsprobe im Leben ihres Urhebers bestanden hat und noch viele Menschen auf ihrem Weg beflügeln kann. Ihr wollen wir uns nun zuwenden.
Ich möchte Sie vertraut machen mit einem Schlüsseltext Russells, einer Leitfigur des Humanismus im zwanzigsten Jahrhundert: mit dem Vorwort zu seiner Autobiographie. Dieser kurze Text unter dem Titel „Wofür ich gelebt habe“ ist ein Text von hohem literarischem und philosophischem Rang.
1956, als der Text entstand, war Russell 84 Jahre alt. 1967, als der Text veröffentlicht wurde, stand der Philosoph im 95. Lebensjahr. Wir studieren ein Dokument bewundernswerter Altersweisheit und Altersvitalität, einen Text, der - in stilisierter Form - die Summe eines langen und bewegten Lebens zieht. Es tauchen darin unvermeidlich Motive auf, die bereits Jahrzehnte zuvor entwickelt wurden. Namentlich der kleine berühmte Aufsatz „Was ein freier Mensch verehrt“ („A free man’ s worship“) aus dem Jahre 1903 ist zum Vergleich heranzuziehen.
Unser Text „Wofür ich gelebt habe“ zeigt das unverwechselbare Profil eines großen Denkers, gewährt Einblicke in Identität und Motivation eines humanistischen Lebensentwurfes, der sich auf der Höhe der Zeit bewegt.
„Drei einfache, doch übermächtige Leidenschaften haben
mein Leben bestimmt: das Verlangen nach Liebe, der Drang
nach Erkenntnis und ein unerträgliches Mitgefühl für die
Leiden der Menschheit. Gleich heftigen Sturmwinden haben
mich diese Leidenschaften bald hier-, bald dorthin geweht
in einem launenhaften Zickzackkurs über ein Weltmeer von
Qual hinweg bis zum letzten Rand der Verzweiflung.
Nach Liebe trachtete ich, einmal, weil sie Verzückung
erzeugt, eine Verzückung so gewaltig, daß ich oft mein
ganzes, mir noch bevorstehendes Leben hingegeben haben
würde für ein paar Stunden dieses Überschwanges. Zum
anderen hab ich nach Liebe getrachtet, weil sie von der
Einsamkeit erlöst, jener entsetzlichen Einsamkeit, in der
ein einzelnes erschauerndes Bewusstsein über den Saum der
Welt hinabblickt in den kalten, leblosen, unauslotbaren
Abgrund. Und letztens habe ich nach Liebe getrachtet, weil
ich in der liebenden Vereinigung in mystisch verkleinertem
Abbild die Vorahnung des Himmels erschaute, wie er in den
Vorstellungen der Heiligen und Dichter lebt. Danach habe
ich gesucht und, wiewohl es zu schön erscheinen mag für
ein Menschenleben: Ich habe es – am Ende – gefunden.
Mit gleicher Leidenschaft habe ich nach Erkenntnis
gestrebt. Ich wollte das Herz der Menschen ergründen. Ich
wollte begreifen, warum die Sterne scheinen. Ich habe die
Kraft zu erfassen gesucht, durch die nach den Pythagoräern
die Zahl den Strom des Seins beherrscht. Ein wenig davon,
wenn auch nicht viel, ist mir gelungen.
Liebe und Erkenntnis, soweit sie erreichbar waren, führten
empor in himmlische Höhen. Doch stets brachte mich das
Mitleid wieder zur Erde zurück. Widerhall von
Schmerzensgeschrei erfüllt mein Herz: verhungernde Kinder,
gefolterte Opfer von Unterdrückern, hilflose alte
Menschen, ihren Kindern zur verhaßten Bürde geworden – die
ganze Welt der Verlassenheit, der Armut, des Leids, all
das macht ein hohnvolles Zerrbild aus dem, was
Menschenleben eigentlich sein soll. Es verlangt mich
danach, dem übel zu steuern, allein ich vermag es nicht,
und so leide auch ich.
So war mein Leben. Ich habe es lebenswert gefunden, und
ich würde es mit Freuden noch einmal leben, wenn sich mir
die Möglichkeit dazu böte.“
„What I have Lived for
Three passions, simple but overwhelmingly strong, have
governed my life: the longing for love, the search for
knowledge, and unbearable pity for the suffering of
mankind. These passions, like great winds, have blown me
hither and thither, in a wayward course, over a deep ocean
of anguish, reaching to the very verge of despair.
I have sought love, first, because it brings ecstasy –
ecstasy so great that I would often have sacrificed all
the rest of life for a few hours of this joy. I have
sought it, next, because it relieves loneliness – that
terrible loneliness in which one shivering consciousness
looks over the rim of the world into the cold unfathomable
lifeloss abyss. I have sought it, finally, because in the
union of love I have seen, in an mystic miniature, the
prefiguring vision of the heaven that saints and poets
have imagined. This is what I sought, an though it might
seem too good for human life, this is what – at last – I
have found.
With equal passion I have sought knowledge. I have wished
to understand the hearts of men. I have wished to know why
the stars shine. And I have tried to apprehend the
pythagorean power by which number holds sway above the
flux. A little of this, but not much, I have achieved.
Love and knowledge, so far as they were possible, led
upward toward the heavens. But always pity brought me back
to earth. Echoes of cries of pain reverberate in my heart.
Children in famine, victims tortured by oppressors,
helpless old people a hated burden to their sons, an the
whole world of loneliness, poverty, and pain make a
mockery of what human life should be. I long to alleviate
the evil, but I cannot, and I too suffer.
This has been my life. I have found it worth living, and
would gladly live it again if the chance were offered
me.”[1]
Der Reiz dieses ergreifenden Dokumentes lebt ästhetisch von der einfachen und klaren Eleganz der Sprache, inhaltlich vom glaubwürdigen Engagement für elementare Menschlichkeit, für Lebensgenuss und Lebenskampf, für eine Haltung, die Wunden und Wonnen des Lebens annimmt.
Der metaphernreiche Text strahlt philosophischen Charme aus. Er verbindet hintergründige Selbstreflexion mit leisem Pathos. Ein Mensch gibt Rechenschaft über Sinn und Ziel seines Lebens – in faszinierender Offenheit ohne eitle Selbstbespiegelung. Er lädt uns ein, sich von seinem Denken inspirieren zu lassen und dann einen eigenen Kurs auf dem Ozean des Lebens zu steuern.
Im Sinne des altgriechischren Weisheitsspruches „Erkenne dich selbst“ – eingemeißelt im Apollo-Tempel zu Delphi – ermuntert Russell uns, unser kleines Leben philosophisch zu durchleuchten, es zu weiten und zu vertiefen, uns zu öffnen für die Welt als Ganzes: für den „Strom des Seins“, für die „Leiden der Menschheit“ und uns so im Horizont des Übergreifenden zu verstehen.
Prüfen wir im Einzelnen, was diese Stimme der Menschlichkeit, diese Stimme praxisbezogener Humanität uns zu sagen hat. Drei Leidenschaften sind es, die Russells Leben geprägt haben:
im Fühlen die Leidenschaft der Liebe,
im Denken die Leidenschaft des Erkennens,
im Handeln die Leidenschaft des Mitleids.
Wie drei Leitmotive durchziehen diese drei Leidenschaften sein Leben. Sie bezeichnen drei existenzielle Bereiche, drei lebenswichtige Dimensionen, klar voneinander abgrenzbar und doch miteinander verwoben.
Mit dem Bekenntnis zu seinen drei lebensprägenden Leidenschaften rehabilitiert Russell die lange verpönten Gefühle, verabschiedet er das stoische Ideal des leidenschaftslosen Weisen, der – trieb- und begierdefrei - allein der reinen Vernunft gehorche. Dieses weltfremde Leitbild stoischer Apathie und Ataraxie war in der Philosophie- und Kulturgeschichte wiederholt zurückgewiesen worden (so vor allem in der europäischen Aufklärung und im deutschen Sturm und Drang). Hegel hatte gelehrt, dass „nichts Großes in der Welt ohne Leidenschaft vollbracht worden“ sei. Zwar bezog er dieses Lob der Leidenschaft konkret auf die „welthistorischen Individuen“[2], dennoch lässt sich die Einsicht in ihre Schubkraft auch verallgemeinern, demokratisieren, nicht zuletzt mit Hilfe dieses Textes von Bertrand Russell.
Was sind Leidenschaften? Welche Rolle spielen sie? Leidenschaften sind psychische Energien, die Geist und Willen auf ein Ziel hin vereinigen. Mit besonderer Intensität vermitteln sie einen Austausch mit der Welt und mit anderen Menschen. Ein Leben ohne Leidenschaften ist flach und fade. Es plätschert dahin in den Niederungen der Banalität, der Beliebigkeit, der Routine des Alltags.
Russells Leben wurde „lebenswert“ dank der erotischen, der philosophischen und der sozialen Leidenschaft. Sie halfen ihm, die Grenzen seines Selbst zu überschreiten. Sie bewahrten ihn davor, in „Einsamkeit“ zu erstarren. Sie erschlossen ihm die Welt als eine Einheit von Gegensätzen. Sie ließen ihn teilhaben am schwellenden Leben und am verwelkenden Leben. Sie gestatteten ihm, Lebenslust zu empfinden, ohne in Lebenslüge zu verfallen.
So richtet Russell sein Streben
auf das Lustvollste und das Grauenvollste: die Verzückung
der Liebe und die Qual von Folteropfern,
auf das Konkreteste und das Abstrakteste: die Einsamkeit
des Individuums und den Strom des Seins,
auf das Innerste und das Fernste: das menschliche Herz und
die Sterne.
Dieser philosophische Blick auf das Ganze des Seins, auf das Sein in seinem Widerspruch, ist die Perspektive eines menschlichen Lebens in Würde, aber im Angesicht des Abgrunds. Im Angesicht des Abgrunds, nicht im Abgrund. Das menschliche Leben ist nicht schlechthin bodenlos, nicht von vorneherein sinnlos oder vergeblich. Russell ist kein Nihilist oder Pessimist, er stiftet zu einer illusionslosen, aber nicht zu einer hoffnungslosen Haltung an.
Menschliches Leben ist immer Leben im Angesicht des Abgrundes, nie jeglichen Risikos enthoben. Nur wenige Millimeter, nur Bruchteile von Sekunden können uns von unserem vorzeitigen Tode trennen. Geborgenheit entsteht – wenn überhaupt – nur über einem „Weltmeer von Qual“. Hier rühren wir an den harten atheistischen Kern des Russellschen Humanismus, der ihn von der aufgeklärten Weltfrömmigkeit seines Freundes und Kampfgefährten Albert Einstein unterschied. Einstein entwickelte in der Tradition eines jüdischen, genauer: eines spinozistischen, Pantheismus eine „kosmische Religiosität“. Russell widerstand der Versuchung, den Weltgrund religiös zu verklären.
Wer über den „Saum der Welt“, das heißt über die Grenzen der Endlichkeit hinaus zu denken wagt, dem begegnet dort keine geistige Macht, die Halt und Orientierung spendete, vertrauenswürdig, verehrungswürdig, gar anbetungswürdig wäre. Kein „Auge Gottes“ steht oben am Himmel und wacht über Wohl und Wehe der Menschen. Keine „unsichtbare Hand“ führt und fügt alle Dinge schließlich doch noch zu einem guten Ende. Keine weise Vorsehung waltet über dem menschlichen Schicksal, sondern der Eishauch unermesslicher Gleichgültigkeit weht uns aus dem Universum entgegen und enthüllt unsere nichtige Rolle im kosmischen Gesamtgeschehen.
Dass wir nicht das Maß aller Dinge sind und dass Humanismus nicht mit Anthropozentrismus verwechselt werden darf, war für Russell schon früh eine Schlüsselerkenntnis. In dem Aufsatz „Was ein freier Mensch verehrt“ von 1903 heißt es dazu erläuternd: „Kurz und ohnmächtig ist das Leben des Menschen; mitleidlos und dunkel überfällt ihn und alle seines Geschlechtes ein unausweichliches Schicksal. Blind gegen Gut und Böse, in rücksichtsloser Vernichtung wälzt sich die allmächtige Materie auf ihrer unerbittlichen Bahn. Dem Menschen, dazu verurteilt, heute das Teuerste zu verlieren und morgen selbst durch das Tor der Finsternis zu gehen, bleibt nichts als die Pflege jener erhabenen Gedanken, die seinen kurzen Tag erhellen, ehe der Schlag fällt.“[3]
Die allmächtige Materie hat uns auf ihrer Bahn einst hervorgebracht. Irgendwann verschlingt sie uns auch wieder. Insofern schaut, wer über den „Saum der Welt“ hinaus schaut, nicht in einen geheimnisvollen, gar göttlichen Weltengrund, sondern in einen „kalten, leblosen, unauslotbaren Abgrund“. Dieser Abgrund erschließt sich nicht nur unerschrockener philosophischer Reflexion, sondern er weht uns in seiner Kälte und Fremdheit auch tagtäglich an. Verhungernde Kinder, gefolterte Opfer von Unterdrückern, hilflose alte Menschen, die ganze Welt der Verlassenheit, der Armut, des Leids – katastrophische Erfahrungen, die nicht nur Russell an den „letzten Rand der Verzweiflung“ geführt haben und immer neu führen.
Und dennoch: im Gewahrwerden der Abgründe des Weltalls und der Abgründe des menschlichen Herzens erschöpft sich menschliches Leben nicht. In der dreifachen Leidenschaft der Liebe, des Erkennens, des Mitleids verlassen wir das Gehäuse unserer Einsamkeit und Beschränktheit, öffnen wir unsere Existenz:
durch die Vereinigung mit einzelnen Menschen in der Liebe,
durch die geistige Aneignung der Welt in der Erkenntnis,
durch die teilnehmende Identifikation mit den Leiden der
Menschheit.
Dies ist die Erfahrungsgrundlage dessen, was in der Religion als Transzendenz, als beseligende Begegnung mit einem göttlichen Jenseits, verklärt wurde. Russell selbst spricht diesen Zusammenhang im Text kurz an. An seiner ideologiekritischen Aufhellung hat er lange Jahrzehnte gearbeitet. Die Verzückung, die die irdische Liebe gewähren kann, ist – so formuliert er – ein verkleinertes Abbild jenes Himmels, der in der Phantasie der Heiligen und der Dichter lebt und nur dort lebt.
Beachten Sie bitte, dass Russell dieses verkleinerte Abbild verstärkend ein „mystisch verkleinertes Abbild“ nennt. Das ist kein Versehen, kein Zugeständnis, sondern Ausdruck des Sachverhalts – der nur bei oberflächlicher Kenntnis Russells überrascht -, dass der atheistische Philosoph zwar die Religion, nicht aber die Mystik schlechthin verwirft, sondern an einem nichtreligiösen Begriff von Mystik festhält, der eine allgemeinmenschliche Erfahrungsmöglichkeit bezeichnet.
In der Tat ist zwischen Religion und Mystik, zwischen Mystik und Mystifikation genau zu unterscheiden. Russell ist kein Vertreter jener seichten Aufklärung, die das Wort „Mystik“ nur tadelnd verwendet und „mystisch“ undifferenziert mit nebulös, unklar, verschwommen, irrational gleichsetzt.
In seinem großen Aufsatz „Mystik und Logik“[4], der seiner Bedeutung halber auch zum Titel für einen ganzen Aufsatzband erhoben wurde, hat Russell einen philosophisch gereinigten, weltlichen Begriff von Mystik entwickelt. Er führt darin die undogmatisch-religionskritischen Elemente, die in der interreligiösen und interkulturellen Geschichte der Mystik angelegt sind, konsequent zu Ende.
Er zeigt darin, dass Mystik und Logik zwei verschiedenartige, aber gleichrangige menschliche „Impulse“ sind, Zugangsarten zur Wirklichkeit, die beide ihre unverwechselbare und unersetzliche Funktion haben.
Eine mystische „Einstellung dem Leben gegenüber“[5], die Russell ausdrücklich empfiehlt, hat nichts Schwärmerisches, nichts Weltflüchtiges. Geht es in der religiösen Mystik um die Vereinigung der Seele mit Gott, so zielt die weltliche Mystik auf die Vereinigung des Individuums mit der Welt, die beide aus demselben Stoff bestehen. Diese Vereinigung ist eine weltbejahende Versenkung in die Tiefe der Dinge im Gesamtzusammenhang. Sie vollzieht sich nicht auf dem Wege begrifflich zergliedernden Denkens, sondern als Vorgang von intuitiver Unmittelbarkeit. Dieses Erlebnis, sich als winziger Teil eines großen Ganzen zu fühlen, löst Augenblicke der Freude und des Friedens aus.
Mystische Weisheit ist auch die Leitidee in Russells Philosophie des Glücks, deren Schlusssätze lauten: „Ein solcher Mensch fühlt sich als ein Bürger des Alls, der ohne Hemmungen das Schauspiel, das es bietet, und die Freuden, die es schenkt, genießen kann – unbekümmert von dem Gedanken an den Tod, weil er sich von denen , die nach ihm sein werden, nicht wirklich getrennt fühlt. In solch inniger, naturbestimmer Vereinigung mit dem Strom des Lebens vollzieht sich die tiefste Beglückung, die wir finden können.“[6]
In der philosophischen Läuterung der Mystik und in der Entzauberung der Religion erschöpfte sich Russells Erkenntnisinteresse nicht. Er spürte dem Geheimnis des Seins insgesamt nach.
Wie Goethes Faust strebte er danach zu erkennen, „was die Welt in Innersten zusammenhält“: „Ich wollte das Herz der Menschen ergründen. Ich wollte begreifen, warum die Sterne scheinen.“ Indem er Gründe, Abgründe und Hintergründe des menschlichen Herzens erforschte, versuchte er, dem inneren Kern der menschlichen Wesensart auf die Spur zu kommen und die Triebkräfte der Geschichte zu entschleiern. Indem er das Licht der Himmelskörper untersuchte, bemühte er sich, den Aufbau der Materie, die Wirkungsweise ihrer kleinsten Teilchen und die Struktur des Weltalls in seiner unermesslichen Ausdehnung zu erkennen.
Als mathematisch orientierter Philosoph in der Tradition des Pythagoras versuchte er zu begreifen, inwiefern der „Strom des Seins“ (englisch flux von lateinisch fluere = fließen) nicht einfach unterschiedslos dahinströmt, sondern inwiefern er von der „Zahl“ beherrscht wird. Die große Erkenntnis der Schule des Pythagoras war es gewesen, dass allen Erscheinungen der Wirklichkeit eine zahlenmäßig erfassbare Ordnung, eine numerische Struktur, zugrunde liegt. Die Erkennbarkeit der Welt ist an ihre Zählbarkeit, Messbarkeit, Berechenbarkeit geknüpft. Alle Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft sind immer auch in Zahlenverhältnissen ausdrückbar. Ihren höchsten Triumph erlebt die pythagoreische Zahlenlehre in der Computertechnik.
Freilich hat Russell nicht den Irrtum der Pythagoreer geteilt, über der quantitativen Dimension die qualitative Ebene der Wirklichkeit zu vernachlässigen. Nie hat er das Quantitative gegen das Qualitative ausgespielt und umgekehrt nicht das Qualitative gegen das Quantitative. Ebenso wenig ist er dem modernen technokratischen Wahn verfallen, alles Menschliche auf Berechenbares und Machbares zu reduzieren.
Er kannte sehr wohl die Grenzen der Mathematik und wusste, dass ihr die Fülle des Seins verborgen bleiben muss – wie jeder Wissenschaft. Er wusste, dass nicht alles Wünschbare machbar und nicht alles Machbar wünschbar ist.
Zum Ergebnis seiner Bemühungen bemerkt Russell: „Ein wenig davon, wenn auch nicht viel, ist mir gelungen.“ Das ist nicht nur britisches Understatement, verschmitze Untertreibung, sondern zugleich Ausdruck intellektueller Bescheidenheit, der Skepsis. Diese Skepsis spricht auch aus dem darauf folgenden Nebensatz: „Liebe und Erkenntnis, soweit sie erreichbar waren, …“ Mit Recht hat Alan Wood seine Russell-Biografie überschrieben: „A passionate sceptic“ – „Ein leidenschaftlicher Skeptiker“.
Russells ethisches Leitmotiv ist das Mitleid, Mitleid verstanden als solidarische Identifikation mit dem Schicksal anderer Menschen. Den „Leiden der Menschheit“ begegnet er nicht mit abgestumpftem Achselzucken, blasierter Teilnahmslosigkeit oder mit zynischer Kälte, sondern mit hilfsbereitem Mitleid.
Friedrich Nietzsche hat Mitleid als Zeichen instinktwidriger Schwächlichkeit, als ein Hauptwerkzeug lebensfeindlicher Dekadenz verunglimpft. Russell erhebt Mitleid zu jener spezifisch menschlichen Regung, die anspornt zur Tat für die Bedrückten und Bedrängten, für die Hilflosen und Wehrlosen, für die Ausgegrenzten und Zukurzgekommenen.
Mitleid kennt verschiedene Gesichter und Gefühlswerte, Ausdrucksformen und Reichweiten. Es reicht von wehleidiger Passivität über gönnerhafte Herablassung bis zu jenem klarsichtigen, hellhörigen, warmherzigen, feinfühligen Engagement, mit dem Russell dem Übel in der Welt zu steuern versuchte.
Ursprünglich ist Mitleid im Nahbereich unmittelbarer Anschauung und unmittelbaren Miterlebens verwurzelt. Russell hat Mitleid auf die Menschheit als Ganzes bezogen und insofern politisiert und universalisiert. Dennoch hat er es nicht von jeglicher sinnlicher Wahrnehmung losgelöst: „Widerhall von Schmerzensgeschrei erfüllt mein Herz.“ Im Zeitalter elektronischer Massenmedien sind „verhungernde Kinder, gefolterte Opfer von Unterdrückern, hilflose alte Menschen“ uns allen vertraute Bilder, fern und nah zugleich.
Schon in jungen Jahren erkannte Russell die Notwendigkeit, über bloßes Einzelkämpfertum hinauszugelangen und organisiert vorzugehen. Er wurde politisch aktiv, um auf dem Wege gesellschaftlicher Reformen gesellschaftliche Missstände beseitigen zu helfen. Über ein halbes Jahrhundert wirkte er in den Reihen der Labour Party. Seit einer Reise in die Sowjetunion 1920, bei der er auch Lenin persönlich kennen lernte, trat er als scharfer Kritiker des Marxismus-Leninismus hervor.
In den letzten Jahrzehnten seines Lebens hat er eine bewundernswerte Phase vitalen Altersradikalismus erlebt. Er nutzte seinen weltweiten Ruhm bewusst, um gegen Rüstungswahn und Atomkriegsgefahr, gegen Polizeistaat und Menschenrechtsverletzungen, wo auch immer, zu kämpfen: zu reden, zu schreiben, zu demonstrieren, Menschen zu mobilisieren. Er trat als „Whistleblower“ auf, als einer, der schrill die Alarmpfeife bläst. Sein Handeln stand in der angelsächsischen Tradition des gewaltfreien „zivilen Ungehorsams“.
Hohen persönlichen Einsatz scheute er nicht. Zweimal wanderte er aus achtbaren Gründen ins Gefängnis London-Brixton. Während des ersten Weltkrieges saß er ein, weil er Kriegsdienstverweigerer unterstützte. 1961 saß er ein, weil er an einem verbotenen Sit-in gegen die britische Atomrüstung teilgenommen hatte.
Den Höhepunkt seines politisch-publizistischen Einflusses erreichte Russell 1966 mit der Gründung des „Internationalen Tribunals gegen Kriegsverbrechen“, oft nur kurz „Vietnam-Tribunal“ oder „Russell-Tribunal“ genannt. Nach den Kriterien der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse von 1945/46 wurde dort die Kriegsführung der USA in Vietnam untersucht und verurteilt.
Russells Leidenschaft des Mitleids erwies sich als Triebkraft der Empörung, als streitbares Engagement gegen Unrecht. War Mitleid das Motiv, inhaltlich gefüllt und besiegelt wurde sein Ethos im Streben nach Gerechtigkeit. Und doch blieb ihm die Unzulänglichkeit des eigenen Strebens und des menschlichen Strebens überhaupt schmerzlich bewusst! „Es verlangt mich danach, dem Übel zu steuern, allein ich vermag es nicht, und so leide auch ich.“
Die Wirklichkeit der Welt, die herzzerreißenden Leiden, denen Menschen und Tiere – aus welcher Ursache auch immer – ausgeliefert sind, bewahrten Bertrand Russell vor schnödem Optimismus, vor der Utopie einer vollkommenen Gesellschaftsordnung und vor dem Glauben an einen gütigen und allmächtigen Gott. Religiöser Erlösungsglaube erschien ihm buchstäblich als weltfremd: als widerlegt durch den Zustand der Welt selbst.
Mitleid wird nicht zum rettenden Prinzip empor stilisiert. Mitleid enthält kein Heilsversprechen. Es lindert. Skeptischer Humanismus setzt die Allgegenwart des Leidens und seine Unabschaffbarkeit voraus. Leben ist zwar nicht identisch mit Leiden, wie der Buddhismus und sein deutscher Anhänger Schopenhauer vermeinten. Aber Leben heißt immer auch Leiden. Es gibt keine leidfreie Gesellschaft, kein schmerzfreies Leben, keine übelfreie Welt.
Russell selbst benennt in seinen Beispielen die körperliche, die seelische, und die soziale Gestalt des Leidens. Mag auch jeweils eine Form der Qual überwiegen, stets ist der ganze Mensch betroffen. Niemand sollte wähnen, immer und überall von allen drei Formen des Leidens verschont zu bleiben. Die Wirklichkeit spricht eine andere Sprache. Insofern ist kein Glück, wo es sich einstellt, ungeschmälert. Alles Glück ist „Glück im Unglück“ (Odo Marquardt). Alle Lebensfreude schwingt sich empor über einem Abgrund des Grauens und ist deshalb nie ungetrübt, nie ungefährdet, nie unangefochten, nie rein. „Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zuteil.“ – Dieser Satz Friedrich Schillers im „Ring des Polykrates“ drückt die Einsicht Russells poetisch aus.
Eine praktische Antwort auf diese ontologische Qualität der Welt ist das Mitleid. Eine geistige Antwort ist die Weisheit der Resignation. Russell nimmt die strukturelle Geborstenheit der Welt, ihre Fremdheit gegenüber menschlichem Sehnen, die Störanfälligkeit der menschlichen Existenz in sein Lebenskonzept auf: „Es verlangt mich danach, dem Übel zu steuern, allein ich vermag es nicht, und so leide auch ich.“
Ohne messianische Gelüste, aber auch ohne Weinerlichkeit räumt er ein: Nicht alle menschlichen Probleme sind lösbar. Konflikte gibt es, die sind unschlichtbar. Neben den Fähigkeiten zum Mitleid, zur Liebe und zur Erkenntnis sind in der menschlichen Natur auch als bleibende Möglichkeiten Grausamkeit und Dummheit angelegt. Schon oft haben sich einstige Verfolgte und Unterdrückte in Verfolger und Unterdrücker verwandelt. Opfer können zu Tätern werden, sofern sich ihnen die Chance dazu bietet. Wie viele Vorkämpfer der antikolonialen Befreiung in Afrika entpuppten sich später als blutrünstige Diktatoren!
Russells drei Leidenschaften begründen und begrenzen sich wechselseitig. Sie stehen in einem ausbalancierten, polaren Verhältnis zueinander. Sie verhinderten, dass er sich in der einen oder anderen Richtung verrannt, verzehrt hätte und am Ende ein ausgebranntes Opfer seiner selbst geworden wäre.
Russell war ein Mensch, der schließlich seine innere Mitte gefunden hatte und aus ihr zu leben verstand – abhold allen Einseitigkeiten. Die erotische Leidenschaft bewahrte ihn davor, seine soziale Leidenschaft in einem karitativen Helferkomplex zerfließen zu lassen. Er griff nicht ständig und überall als Wohltäter ein. Er verspürte durchaus keine Lust, sich selbst für andere zu verzehren, aufzuopfern. Seine eigenen wohlverstandenen Interessen und Wünsche verleugnet er nicht. Umgekehrt bewahrte ihn die soziale Leidenschaft davor, sich in privaten Affären zu verschleißen, im Privatleben überhaupt zu versinken. Seine Ethik stand jenseits der verkürzenden und abstrakten Alternative von Egoismus oder Altruismus. Er wusste: Nur wer sich selbst bewahrt, bewahrt sich auch die Möglichkeit, anderen zu helfen.
Das philosophische Erkenntnisinteresse schließlich erhielt ihm die notwendige Muße, über beide Lebensbereiche immer wieder erneut nachzusinnen. So wahrte er den orientierenden Abstand zu allem und vermochte zwischen dem Wesentlichen und dem Unwesentlichen zu unterscheiden. Betriebsamkeit und Arbeitssucht waren dem Autor eines Buches zum „Lob des Müßiggangs“ fremd. Die zerstörerischen und selbstzerstörerischen Möglichkeiten, die in jeder Leidenschaft schlummern, blieben gebannt. Nichts übersteigerte sich zur Sucht, zur Besessenheit oder entartete in Fanatismus.
Auch die Leidenschaft des Erkennens birgt Gefahren in sich. Eine richtige Idee kann zur fixen Idee werden. Falscher Ehrgeiz und Ruhmsucht können Forscher zu fatalen Fälschungen verführen. Naturwissenschaftler können wirklichkeitsentrückt im Labor versinken und zu Fachidioten verkommen. Geisteswissenschaftler können sich in abgehobene Geistesartisten verwandeln, die hoch oben am Trapez herumturnen, ohne einen Blick auf die Niederungen des wirklichen Lebens zu werfen. Gutherzige Menschen können sich von schönen Idealen und edlen Zielen betören lassen und sich an großartig klingenden Programmen berauschen. Sie verfehlen die Wirklichkeit auf eine andere Art. Auf der schwankenden Brücke der Phantasie gelangen sie unmerklich in eine Haltung der Gläubigkeit und des Wunschdenkens. Die Differenz zwischen Idee und Wirklichkeit vermögen sie nicht festzuhalten, sondern verwischen sie in einem Sehnsuchtsbild, das sie dann mit der Wirklichkeit verwechseln.
Als „leidenschaftlicher Skeptiker“ war Russell gegen Schwärmereien dieser Art gefeit. Er verband Alltagsprobleme mit den letzten Fragen der Metaphysik. Er hatte den durchdringenden Blick für das Hohe und das Tiefe, für das Flüchtige und das Dauerhafte, für das Innere und das Äußere. Er dachte mit dem Herzen und fühlte mit dem Kopf. Er lebte im Mikrokosmos und im Makrokosmos. Darin bestand seine Größe, darauf beruhte seine Ausstrahlung.
Bertrand Russells Vorwort „Wofür ich gelebt habe“ ist ein herausragendes literarisches Zeugnis gelebter Humanität im zwanzigsten Jahrhundert. In seiner sprachlichen und gedanklichen Frische vermag uns dieser Text noch lange zu begeistern und uns geistigen Proviant zu reichen. Mit der Qualität exemplarischer Gültigkeit formuliert er eine Vision gelingendes Lebens: dessen, was menschliches Leben wesentlich ausmacht. Insofern bewahrt seine skeptische Utopiekritik einen legitimen Kern utopischen Denkens.
Eine historische Schranke des Dokuments wird uns heute freilich bewusst. Russell hatte damals noch keinen Blick für die ökologische Überlebensproblematik, konnte 1956 keinen Blick für sie haben. Diese Feststellung enthält keinen Tadel und schmälert nicht die orientierende Kraft, die Russells philosophischer Spiritualität innewohnt.
Diese philosophische Spiritualität, diese philosophische Geistes- und Gemütsverfassung, versöhnt Vernunft und Gefühl, Nachdenklichkeit und kämpferischen Elan, Zorn und Zärtlichkeit, Melancholie und Lebensfreude, Mystik und Ethik. Sie umspannt Verzückung und Verzweiflung, Ekstase und Disziplin, Innerlichkeit und Weltverantwortung, Privatheit und Politik, Höhenflug und Tiefgang, Rebellion und Resignation.
Weniger abstrakt gesagt, sondern mit den Jahrtausendfiguren der griechischen Mythologie verdeutlicht: in Russells skeptischem Humanismus reichen sich die Titanenbrüder Prometheus und Epimetheus die Hand, versöhnen sich die Götter Dionysos und Apollo. Über sie alle fällt freilich der Schatten des Sisyphos, dessen Namen als Chiffre steht – weniger für Vergeblichkeit als für mannhaftes Zupacken bei Aufgaben, die sich nicht ein für alle Mal lösen lassen, sondern uns stets aufs Neue herausfordern.
Bertrand Russell hat gerne gelebt. Er gesteht am Schluss, dass er sein Leben „mit Freuden“ noch einmal leben würde, falls sich ihm die Möglichkeit dazu böte. Aber er weiß – deshalb die Konjunktive - : diese Möglichkeit bietet sich nicht, weder ihm noch sonst irgendeinem Menschen. Denn jedes Leben ist unwiederbringlich, endlich, sterblich. Es gibt keine Wiederkehr, keine Wiederholung, keine Wiederverkörperung, keine Auferstehung von den Toten. Wir leben einmalig, das heißt: erstmalig und letztmalig zugleich. Eben darin gründen Tragik und Kostbarkeit menschlicher Existenz.
Russells Liebe zum Leben schloss die Bereitschaft zum endgültigen Abschied mit ein. Er verstand es, die Welt in sich aufzunehmen. Er war fähig, sie wieder loszulassen. Er konnte einatmen und ausatmen. Er lebte in Achtsamkeit und in Abschiedlichkeit. Ihm eignete jene „Seelengröße“, die er selbst als die schönste Frucht „philosophischer Kontemplation“[7] charakterisierte.
Wohl dem Menschen, der am Ende seiner Zeit eine so reiche Bilanz ziehen, auf ein derart intensives Leben zurückschauen kann! Bertrand Russell darf mit dem Spruch des Terenz von sich sagen: „Homo sum, nil humani a me alienum puto.“ – „Ein Mensch bin ich. Nichts Menschliches erachte ich mir fremd.“
Anmerkungen
[1] Bertrand Russell, Autobiography, London/
Sydney/ Wellington, 1989, 9; Autobiographie I (1872 –
1914), Suhrkamp taschenbuch 22, Frankfurt/M., 1972, 7f.
[2] G. W. F. Hegel, Vorlesungen über die
Philosophie der Geschichte (Theorie Werkausgabe Bd. 12),
Frankfurt/M., 1970, 38. 49.
[3] Was der freie Mensch verehrt, zitiert in
der überarbeiteten Übersetzung Norbert Hoersters, in:
Norbert Hoerster (Hg.), Religionskritik. Arbeitstexte für
den Unterricht (Reclam Universal Bibliothek 9584),
Stuttgart, 1984, 145f.
[4] Der Aufsatz „Mystik und Logik“ („Mysticism
and Logic“) erschien 1914 und wurde 1917 zum Titel
gebenden Aufsatz einer Sammlung, die 1952 auf Deutsch
erschienen ist: Wien/ Stuttgart, 5 – 35.
[5] Mystik und Logik, 14.
[6] Bertrand Russell, Eroberung des Glücks.
Neue Wege zu einer besseren Lebensgestaltung (suhrkamp
taschenbuch 389), Frankfurt/M., 1977, 171. Der englische
Titel lautet: The conquest of happiness.
[7] Der Wert der Philosophie, in: B. Russell,
Probleme der Philosophie (edition suhrkamp 207),
Frankfurt/M, 6.Aufl., 1976, 135-142. Zitate: 140.