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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 7
(2006), Heft 2
Die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche, in diesem Jahr zum 11. Mal vom Hessischen Landestheater Marburg ausgerichtet, bietet die Möglichkeit, Trends des „jungen“ Theaters aus erster Hand kennenzulernen. Sechs ausgewählte Aufführungen für Jugendliche von „ab 12“ bis „ab 16“ sollen daraufhin untersucht werden, mit welchen Themen und Texten und mit welchen Spielweisen Theater Heranwachsenden begegnet.
So zufällig die Auswahl der Aufführungen ist, ein inhaltlicher Trend lässt sich ausmachen: Jugendtheater, so scheint es, will die Jugendlichen – wie seit jeher – mit ihren eigenen Problemen konfrontieren, will offensichtlich über Inhalte eine Nähe zwischen Theater und jugendlichem Publikum schaffen, eine Nähe, die alles andere als selbstverständlich ist. Denn die meisten Jugendlichen sind längst theaterfremd geworden, sind fasziniert von anderen Medien, dem Medium Film vor allem, verbinden in ihrer Theaterunerfahrenheit und klischeehaften Sichtweise mit Theater eine ihnen suspekte moralische Autorität, thematische „Abgehobenheit“ und eine altbacken-unzeitgemäße Darstellungsform, die Theater zwar zu etwas Besonderem machen, aber auch mit Schwellenängsten belegen und mit einer schwer zu überbrückenden Distanz belasten. Theater, die vor einem solchen medienerfahrenen und gleichzeitig theaterfernen Publikum dennoch spielen, weil sie verhindern wollen, dass eine ganze Generation dem Theater verloren geht, versuchen, diese Distanz, wenn schon nicht abzubauen, dann wenigstens zu verkleinern. Und jugendgemäße Inhalte scheinen ein vielversprechender Weg zu Vierzehn- oder Sechzehnjährigen zu sein.
Die Aufführungen ritzen des Theaters der Jungen Welt aus Leipzig, gestrandet des Theaterlabors Darmstadt und Finnisch vom theater überzwerg aus Saarbrücken sind Beispiele für Bühnenstücke mit jugendnahen Problemen und Konflikten.
Ritzen von Walter Kohl erzählt die Geschichte der vierzehnjährigen Fritzi. In einem langen Monolog und im „Gespräch“ mit Gleichgesinnten im Chatroom, mit denen sie über ihren Laptop kommuniziert, breitet sie ein Stück ihres Lebens vor den Zuschauern aus. Ihr HIV-positiver, drogenabhängiger Freund ist im Gefängnis, angeklagt sexueller Übergriffe auf sie als Minderjährige. Eifersucht auf ein anderes Mädchen, mit dem sich ihr Freund eingelassen hat, aber auch ihre Einsamkeit quälen sie. Außer den „Chattern“ hat sie niemanden, mit dem sie über ihr verpfuschtes Leben reden kann. Es entwickelt sich ein „Chat auf Messers Schneide“, wie es im Untertitel des Stücks heißt. Sich die Haut zu ritzen, mit Selbstmord zu „spielen“, Selbstmord zu begehen, erscheinen dem Mädchen Fritzi in ihrer Verzweiflung als die einzigen Auswege aus ihrer Situation.

Ritzen von Walter Kohl
Auch in dem kanadischen Stück gestrandet von Joan MacLeod steht ein heranwachsendes Mädchen im Mittelpunkt der Handlung, und auch dieses Stück erzählt von Gewalt und Übergriffen. Nur ist die Erzählerin Braidie diesmal nicht das Opfer, sondern steht auf der anderen Seite, gehört zu den Täterinnen. Jahrelang hat sie zugesehen, ohne dagegen einzuschreiten, wie die Mitschülerin Sofie von anderen, vor allem Braidies Freundin Adrienne, drangsaliert, ausgegrenzt, geschlagen wurde. Das Ganz gipfelt schließlich in einer brutalen Szene auf der Toilette der Schule: Adrienne schlägt Sofies Kopf mehrmals auf den Steinboden. Als Braidie später Sofie übel zugerichtet und kaum mehr ansprechbar findet, versagt sie wie schon so oft vorher: Sie lässt die Mitschülerin einfach hilflos zurück. Das Stück deutet an, dass Sofie verblutet und jetzt nach den Tätern gesucht wird.

gestrandet von Joan McLeod
In Finnisch von Martin Heckmanns schickt sich ein junger Mann selbst ein Paket, um mit der Postbotin, in die er sich verliebt hat, Kontakt aufnehmen zu können. In etwa einer Stunde wird sie an seiner Türe klingeln. Was kann er ihr sagen? Wie soll er ein Mädchen, das er nicht kennt, aber gerne kennenlernen würde, ansprechen? Wie kann er, eher schüchtern, unscheinbar, ihre Aufmerksamkeit wecken? Worüber sollen sie reden? In seiner Phantasie spielt er alle möglichen Situationen durch, versucht die Wirklichkeit vorwegzunehmen, sich gegen alle Widrigkeiten der Realität zu wappnen. Und muss doch einsehen, dass seine vielen „Ich könnte“ und „Ich würde“ mit der Wirklichkeit kaum etwas zu tun haben, ihm nicht weiterhelfen. Am Ende, als es klingelt – jetzt muss die Postbotin das Paket bringen; jetzt ist der Moment da, auf den es, wie er glaubt, ankommt –, ist er so hilflos wie am Anfang.
Die drei Beispiele verdeutlichen zwei Wege des Jugendtheaters, die heranwachsenden Mädchen und Jungen zwischen 12 und 16 zu packen: einmal durch die Darstellung und Inszenierung von Extremsituationen, die aufrütteln, die Ausschnitte aus der Welt und dem Leben des jugendlichen Publikums zeigen, die vielleicht so (noch) nicht zum Erfahrungsbereich der Vierzehn- oder Sechzehnjährigen gehören, von ihnen aber in ihrer Phantasie als ein möglicher Erfahrungsbereich begriffen werden. Einsamkeit, Drogenabhängigkeit, zerrüttete Familienverhältnisse, Ausgrenzung, Misshandlung und Gewalt, auch Sehnsucht nach Nähe, Freundschaft und Liebe sind immer wiederkehrende Motive dieser Art von Jugendtheater. Die Welt als Chaos, als Kampfarena, die Menschen als Opfer oder Täter, immer aber als Alleingelassene, Erwachsene als verständnislose, vielleicht sogar feindselige Gruppe, die die Jugendlichen stört und einengt, das sind Erfahrungen, aus denen Stückschreiber dramatisches Material haufenweise gewinnen. Und ein Stück wie ritzen macht daraus packendes Theater. MacLeods Text gestrandet gelingt das nur in Ansätzen.
Finnisch versucht einen anderen Weg. Es macht aus den Ängsten und Unsicherheiten zwischen Jungen und Mädchen ein phantasievolles Spiel über die komischen, halbernsten und ernsten Seiten der ersten Kontaktaufnahme. Das Stück erzielt seine Wirkung aus der assoziativen, poetischen Versprachlichung all der nie aufhörenden Selbstzweifel vieler Jugendlicher und zeigt, dass, was die einen fühlen, wahrscheinlich die Gefühle von fast allen sind. Aus der Identifikation bewusster wie unbewusster Ängste und Unsicherheiten der Zuschauerinnen und Zuschauer mit denen der Bühnenfigur erzielt das Stück seine innere Spannung, die gleichzeitig etwas Befreiendes hat. Das Publikum schaut sich selbst zu und erkennt, dass Ängste und Unsicherheit möglicherweise Teil des Lebens überhaupt sind.
Ritzen, gestrandet und Finnisch präsentieren ihre Themen in der Form von Selbstgesprächen, Wie macht man daraus Jugendtheater?
In ritzen lässt Regisseur Jürgen Zielinski die Spielerin über ihren Laptop mit einem Chatroom Kontakt aufnehmen. Das Selbstgespräch wird dabei fast automatisch die angemessene Form, mit den virtuellen Gesprächspartnern zu „kommunizieren“, was viele Jugendliche aus eigener Erfahrung kennen. Die virtuelle Welt wird dadurch verstärkt, dass sich das Mädchen Fritzi, eindrucksvoll von Meike Anna Stock gespielt, immer wieder filmt, so als könne sie sich erst über dieses Medium ihres jämmerlichen Lebens bewusst werden, als könne sie dadurch erst ihr Leben „begreifen“. Die Bilder werden auf eine Leinwand übertragen und zwingen so auch die Zuschauer, Zeugen, Voyeure von Fritzis Innenleben zu werden. Die filmischen Bilder stehen nicht nur für eine Verdoppelung und damit Intensivierung von Fritzis Schicksal, sondern – eine seltsame Wirkung – garantieren sozusagen auch deren Echtheit und Authentizität. Begleitet wird Fritzis Selbstentblößung durch donnerartige, dröhnende Fabrikhallen-Geräusche.
Das Ende der Inszenierung lässt das Schicksal der vierzehnjährigen Fritzi offen. Die Bühnenumrandung ist in rotes Scheinwerferlicht getaucht. Das könnte auf ein neues Ritzen, wie immer auch dessen Ausgang sein mag, hindeuten. Aber die Geschichte kann sich eigentlich sowieso nur noch in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer weiterentwickeln und dort zu einem Ende kommen.
Ähnlich eindrucksvoll gelingt die Inszenierung von Finnisch. Die Zuschauer betreten den Spielraum durch einen Vorhang aus Glanzfotos von Schauspielerinnen und Models. Auch im Raum selbst hängen solche Bilder mit den Schönheitsidolen dieser Tage an den Wänden. Dann beginnt auf einer großen Leinwand ein Film, in dem ein junger Mann über seine Liebe zu einer jungen Postbotin spricht, einer „Postbotinnenschönheit“, wie er sagt. Er hofft eine Möglichkeit zu finden, die Postbotin, in die er verliebt ist, anzusprechen und mit ihr Kontakt aufzunehmen. Und mit einem Male tritt der Sprecher aus der Leinwand heraus unter die im Raum Sitzenden und redet über seine Unsicherheit und seine Schüchternheit, spielt hundert verschiede Möglichkeiten, Mädchen anzusprechen, durch, nur um sie alle sofort zu verwerfen. So groß auch seine Phantasie ist, seine Schüchternheit kann sie nicht vertreiben. Am Ende verschwindet er wieder in der Leinwand. Film und Leben, virtuelle Realität und Wirklichkeit vermischen sich. Was ist echter, was ist wahrer?
Wie in ritzen bleibt auch in Finnisch das Ende offen. Der Zuschauer hört im Film das Klingeln an der Wohnungstür des jungen Mannes, sieht, als blicke er durch ein Guckloch, die Augen, den Mund eines jungen Mädchens vor der Tür. Alles andere aber muss er sich wieder in seinem Kopf zusammenstellen. Die eigentliche Geschichte, die vielleicht jetzt erst beginnt, muss er selbst “schreiben“ und „inszenieren“. – Die Leistungen von Oliver Kai Mueller in der Rolle des jungen Mannes waren beeindruckend.
Und wie bringt das Theater einem jugendlichen Publikum ein klassisches Stück nahe? Ein Beispiel für einen gelungenen Versuch dieser Art ist Kabale und Liebe, Schillers berühmtes Trauerspiel in einer Fassung für zwei Schauspieler von Roland Hüve, gespielt vom Hessischen Landestheater Marburg in einer Inszenierung von Peter Radestock.
„In einer Fassung von“ erweckt Befürchtungen, dass es sich bei der Aufführung um eine Textversion handeln könnte, die nur noch entfernt etwas mit dem großen Schillerdrama zu tun hat. Und in der Tat hat der Bearbeiter Roland Hüve eine stark gestrichene Fassung von Kabale und Liebe vorgelegt, allerdings die Sprache des Originals belassen. Das Stück konzentriert sich auf die Liebesgeschichte zwischen Ferdinand und Luise, zeigt aber auch die gesellschaftlichen Drangsalierungsmechanismen durch den Präsidenten. So kann sich der dramatische Konflikt entwickeln; die innere Spannung wird durch die Streichungen nicht beeinträchtigt. Radestock gelingt es, die Unbedingtheit der Liebe Ferdinands und Luises und ihr Scheitern plausibel zu machen und in ihrer Tragik vorzuführen.
Dass das funktioniert, ist auch den beiden Spielern geschuldet, Juliane Beier und Daniel Sempf, die die verschiedenen Rollen nuancenreich und differenziert gestalten. Ein Schal oder eine Weste genügen ihnen – und schon verkörpern sie den Musikus Miller oder den Präsidenten oder Luise oder Lady Milford. Ihr Spiel lässt sich von Schillers gewaltiger Sprache führen. Sie machen aus Kabale und Liebe keine „Light“-Fassung, sondern setzen die wesentlichen Momente des Stücks wirkungsvoll in Theater um. Radestock und sein Team haben das große Liebesdrama nicht schülergerecht gemacht, sondern für Schüler, aber natürlich auch Erwachsene ein spannungsreiches Stück über Liebe und Liebestod inszeniert.

Die Verwandlung nach Franz Kafka
Warum Kafkas berühmte Erzählung Die Verwandlung zu einem Theaterstück – wieder sichert man sich mit dem Zusatz „nach Franz Kafka“ ab – umgeschrieben werden muss, darüber könnte man lange diskutieren. Natürlich wurde es in der Vergangenheit mehrfach versucht. Und das Junge Staatstheater Wiesbaden – Inszenierung: Matthias Faltz; Ausstattung: Reinhard Wust – hat erneut eine Version für Schüler erarbeitet. Zwar finden sich in dieser Fassung viele Elemente des Originaltextes: der Besuch des Prokuristen etwa oder das Apfelbombardement des Vaters auf den Käfer oder die Anwesenheit der Zimmerherrn im Hause der Samsas oder der Satz der Bedienerin: „Sehen Sie nur mal an, es ist krepiert.“ Aber mit der verstörenden Wirkung von Kafkas Erzählung hat diese Aufführung dennoch wenig gemein. Was in der Erzählung – über weite Strecken wenigstens – aus Sicht Gregors als unentrinnbarer, absurd-grotesker Albtraum dargestellt wird, wird in der Inszenierung durch Matthias Faltz zu einer vordergründigen Bühnenhandlung mit Anleihen bei grauen Hauptmann-Bühnenbildern und boulevardesken Handlungssituationen. Das Hintergründige, Uneindeutige und deshalb Beunruhigende bei Kafka wird in ein plattes Spiel umgesetzt, in dem nicht Rätselhaftigkeit, groteske Lieblosigkeit oder Unverständnis gegenüber dem Käfer Gregor Samsa, sondern eine komische familiäre Betriebsamkeit bühnenbeherrschend sind. Allein dass es die Inszenierung zulässt, dass der Käfer in Form einer riesigen Zimmerassel auf der Bühne herumkriecht, zeigt die Unsensibilität im Umgang mit dem Originaltext. Kafka hat nicht ohne Grund verlangt, dass kein Käfer in irgendeiner Form auf dem Umschlagsband der Ausgabe der Erzählung erscheinen dürfe. Durch eine vordergründige Umsetzung des Originaltextes in Bühnenspiel oder Bühnenbilder verliert die Verwandlung alles Kafkaeske. Theaterleute sollten mit solchen komplexen Texten, die für ein ganz anderes Medium geschrieben wurden, vorsichtig umgehen, vorsichtiger jedenfalls als das Junge Staatstheater Wiesbaden.
Die Vielfältigkeit der Formen von Jugendtheater führte das Theater Junge Generation aus Dresden mit einem Stück über die Geschichte des Jazz vor. Es ist ein riskantes Inszenierungsunternehmen. Denn Jazz ist bei Jugendlichen nicht nur weitgehend unbekannt, sondern auch unpopulär, und die Art der Präsentation der Jazzgeschichte war mehr eine berichtend-informative Reise durch die Jazzgeschichte als ein Spiel. So hatten sicherlich einige der jugendlichen Zuschauer ihre Schwierigkeiten mit den gut 70 Minuten JAZZinTime.

JazzinTime, Theater Junge Generation, Dresden
Dennoch war die Aufführung kurzweilig und interessant, auch packend. Das lag vor allem an den vielen Musikbeispielen und den ausgezeichneten Musikern, die die Highlights des Ragtime beispielsweise, des Blues, des Swing, der berühmten Big Bands der dreißiger Jahre, des Bebop, des cool Jazz, des modern Jazz oder des Jazz Rocks präsentierten. Jörg Kandl (Saxophon, Flöte, Klavier), Tom Götze (Bassgitarre, Kontrabass, Tuba), Christoph Hermann (Trompete, Posaune, Gesang) und Bernd Sikora (Drums, Percussion) verstanden es, Musikgeschichte anschaulich zu machen und lebendig werden zu lassen. Sie wurden dabei von Ulrike Sperberg und Boris Schwiebert unterstützt, die erzählten, spielten, tanzten, sangen und Klavier spielten. Auf einer großen Leinwand wurden Bilder aus der Geschichte Amerikas gezeigt, die die Musikbeispiele und den Jazz überhaupt in ein gesellschaftliches Umfeld stellten, aus dem heraus erst die ganze Bedeutung dieser wichtigen amerikanischen „Musikerfindung“ verständlich wurde. – Ein gelungener, anerkennenswerter Versuch, Neues und Fremdes Jugendlichen unterhaltsam näherzubringen und vielleicht bei einigen von ihnen die Neugier auf mehr Jazz zu wecken.
Es ist interessant, einen Blick auf die Namen der Theater zu werfen, die bei der 11. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche in Marburg ihre Stücke zeigten. In keinem Namen tauchen die Worte „Kinder“ oder „Jugend“ auf. Die Theater heißen „Theater der Jungen Welt“ oder „Theater Junge Generation“ oder „Theaterlabor“ oder „AktionsTheater“. Darin ist eine Tendenz zu erkennen, sich nicht auf Kinder- oder Jugendtheater festlegen zu lassen, zwar ein jugendliches Publikum im Auge zu haben, die Inszenierungen aber gleichzeitig einem viel breiteren Publikum anzubieten. Sicherlich steht dahinter auch der berechtigte Versuch, der pädagogischen Falle eines herkömmlichen Kinder- und Jugendtheaters zu entgehen, ein Theater für Kinder und Jugendliche so anspruchsvoll zu inszenieren, dass Kinder- und Jugendtheater eine neue Qualität annehmen und sich von selbst allen Besuchern, die am Theater interessiert sind, öffnen. Klaus Schumacher, der seit einigen Monaten das neu geschaffene Junge Schauspielhaus Hamburg leitet, formuliert diesen Anspruch ohne Einschränkungen: „Wir wollen Theater als Erfahrungsraum nutzen, als Ort der Debatte. Hier muß man sich auseinandersetzen – und das Geschehen auf der Bühne ist Anlass dazu. Theater darf kein pädagogischer Ort sein. Es ist ein Kunstort, der auch einfach nur Verwirrung stiften darf und nicht gleich mit der Botschaft um die Ecke lugt.“
„Sich auseinandersetzen“, Bühne als „Kunstort“ ohne pädagogische Botschaft, „Verwirrung stiften“, das sind einige Stichworte, die auch das treffen, was auf den Bühnen des Tasch 1 und 2 während der Festivalwoche immer wieder passiert. Solange diese kreative Unruhe in der jährlichen Märzfestivalbetriebsamkeit im Marburger Theater zu spüren ist, muss die „Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche“ weitergehen und vom Publikum, dem jungen wie dem älteren, unterstützt werden.
Herbert Fuchs
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