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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 7 (2006), Heft 5
Marcus Düwell / Christoph Hübenthal / Micha H. Werner (Hrsg.): Handbuch Ethik, J. B. Metzler, Stuttgart 2006 (2. Aufl.), 576 Seiten. ISBN 3-476-01749-4, 49,90 €
Das erstmals im Jahr 2002 erschienene Handbuch Ethik liegt nun in der zweiten Auflage vor. Gegenüber der ersten Auflage enthält das „aktualisierte und erweiterte“ Nachschlagewerk weitere Artikel zu den Stichworten „Forschungsethik“, „Islamische Theologie und Ethik“, „Jüdische Theologie und Ethik“ sowie „Toleranz“ und wird damit wohl nicht nur dem eigenen Erweiterungs- sondern auch dem Aktualisierungsanspruch gerecht. Denn während die erste Auflage vor dem Beginn des globalen Terrors am 11. September 2001 konzipiert und verfasst wurde, zeigen die Artikel zu Islam, Judentum und Toleranz deutliche Spuren der geopolitischen Veränderungen in der heutigen Post-9/11-Welt. Die Herausgeber stellten mit der Neuauflage ferner Verbesserungsvorschläge der Rezensionen zur ersten Auflage in Rechnung, ergänzten inzwischen erschienene einschlägige Literatur zu den behandelten Themen und aktualisierten darüber hinaus auch die allgemeine Bibliographie sowie das Sach- und Namensregister. An dem überarbeiteten Nachschlagewerk haben über 60 Autorinnen und Autoren mitgewirkt, unter diesen sind namhafte Philosophinnen und Philosophen wie Herbert Schnädelbach, Dieter Birnbacher, Wolfgang Kersting, Ludger Honnefelder, Herlinde Pauer-Studer, Christoph Rapp, Peter Antes, Reiner Wimmer und Norbert Brieskorn.

Das Handbuch Ethik besteht aus einer umfangreichen Einleitung, einem Lehrbuchteil, einem lexikalischen Teil und einem Anhang mit allgemeinen Literaturverweisen, Informationen zu den Autorinnen und Autoren sowie mit einem Personen- und Sachregister für den raschen und gezielten Zugriff auf einzelne Informationen, unentbehrlich für die erste Orientierung.
In der von den Herausgebern verfassten Einleitung (Kapitel I) wird der Begriff Ethik in historischer und systematischer Perspektive betrachtet. Dieser 25-seitige Text bietet in der gebotenen Kürze einen hervorragenden Einblick in die Thematik. Es werden alle wichtigen Stationen von der Antike bis zur Gegenwart erwähnt, die in der systematischen Auseinandersetzung mit ethischen Fragen virulenten Kategorisierungen erläutert sowie die Rolle der Ethik in den aktuellen gesellschaftlichen Debatten umrissen.
Im Lehrbuchteil werden zum einen (Kapitel II) die ethischen Schulen in klassischer Weise dargestellt (Metaethik / deskriptive Ethik / normative Ethik, teleologische / deontologische Ansätze), zum anderen (Kapitel III) werden die wichtigsten Bereichsethiken vorgestellt. Es wird gezeigt, wie die ethischen Begründungsmodelle auf bedeutenden wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Problemfeldern wie etwa der Politik, der Medizin, der Technik, der Wirtschaft, der Umwelt oder den Medien praktische Anwendung erfahren. So erhält nicht nur der Philosophiestudent einen grundlegenden Einblick in fachfremde Zusammenhänge, es finden auch an ethischen Fragen interessierte Studierende, Lehrende und Forschende aus anderen Fakultäten ihre eigene Disziplin als Gegenstand der kritischen Analyse philosophischer Ethik wieder.
Der lexikalische Teil (Kapitel IV) besteht aus 53 Artikeln zu den wichtigsten Grundbegriffen der Ethik (z. B. Freiheit, Moral, Verantwortung, Gerechtigkeit, Pflicht, Identität, Gewissen) mit einer Länge von jeweils vier bis sechs Seiten. Die Beiträgen folgen keiner starren Vorgabe, sondern präsentieren den Forschungsstand zu den einzelnen Schlagwörter in je angemessener Weise. Gemein ist allen Artikeln jedoch die Berücksichtigung von mehr oder weniger gelungenen Begriffserklärungen sowie historischen und systematischen Aspekten. Somit enthalten die Erläuterungen sowohl zu den in Kapitel II behandelten Moraltheorien Bezüge als auch zu den Bereichsethiken, die in Kapitel III vorgestellt werden.
Insgesamt liegt mit dem Handbuch Ethik ein gut geschriebenes, nützliches Nachschlagewerk vor, das in Punkto Umfang, Qualität und Aktualität kaum zu wünschen übrig lässt. Man mag allenfalls die fehlende oder recht knappe Behandlung der einen oder anderen Bereichsethik bemängeln – so geht etwa die Sportethik im Artikel „Sozialethik“ etwas unter –, doch den Autoren gelingt es zumeist gut, den Kompromiss zwischen der Ausführlichkeit eines Lehrbuchs und der Kompaktheit eines Lexikons zu bewerkstelligen, und dabei noch so verständlich zu formulieren, dass auch der am Ethik-Diskurs interessierte Laie einen Zugang zur Thematik erhält und in geeigneter Weise an ethische Fragestellungen herangeführt wird. Die speziellen Literaturangaben zu jedem Artikel und die allgemeine Bibliographie im Anhang sollten zudem den Einstieg in weitere Betrachtungen zur Ethik sowie die gezielte wissenschaftliche Arbeit an Einzelfragen erleichtern. So wird das Handbuch als Ausgangsbasis für Referate und Seminararbeiten zur Ethik ebenso gute Dienste tun wie bei der Suche nach Orientierung im Dickicht der Kontroversen um aktuelle ethische Probleme, die uns alle betreffen und daher nicht den Spezialisten vorbehalten sein sollten. Insoweit leistet das Handbuch Ethik echte Aufklärungsarbeit.
Josef Bordat
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