Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 7 (2006), Heft 5


 

Jörg Rüpke: Zeit und Fest. Eine Kulturgeschichte des Kalenders. C. H. Beck Verlag, München 2006, 256 S., ISBN: 3406542182,   37,85 €

Jörg Rüpke hat mit unermüdlicher Akribie Fakten zu seinem Buch „ Zeit und Fest. Eine Kulturgeschichte des Kalenders“ zusammengetragen. Daß er sich umfangreichst mit allen Einzelheiten der Materie auseinandergesetzt hat, erkennt man schon etwa an seiner Darstellung zur Nautik, Recht, dem Zwölftafelgesetz oder Ovids Libri Festorum, die in aller Genauigkeit erklärt werden.

Aber hier stößt man schon auf die Problematik dieses Buches.

Sicher ist es interessant, über die Konsequenz eines fortlaufenden, gleichmäßigen Zeitablaufs nachzudenken. Die Unmengen von einzelnen Details, die Rüpke anführt, führen jedoch dazu, daß der erzählerische Schwung auf der Strecke bleibt. Einzelne Höhepunkte, die auch bei sachlichen Darstellungen wünschenswert wären, verlaufen sich in dem Gerinsel des – ungefragt – großen Wissens des Autors. Der Laie als Leser würde sich jedoch wünschen, daß die erzählerische Struktur erkennbarer und durchkonstruierter wäre; statt dessen verliert man immer wieder in irgendwelchen Einzelheiten den Faden der Darstellung. Es bleibt das Gefühl, einem sehr belesenen und fachkundigen Autor begegnet zu sein, der es aber leider nicht schafft, sein Anliegen – welche menschlichen und politischen Folgen hat die Messung der Zeit auf Gesellschaft und Kultur? – so vorzubringen, daß Spannung und Stringenz dieses Themas dem Leser erkennbar wären.

Es ist halt immer das alte Problem: es ist zwar wünschenswert, daß ein Buch auf Tatsachen beruht und gut recherchiert ist, gar nicht jedoch, daß gleichzeitig die sogenannte wissenschaftliche Sprache wie ein Bleigewicht den Inhalt beschwert, interessanten Möglichkeiten durch Schwerfälligkeiten jeden Charme nimmt und letztendlich dem Leser kurz und einfach die Laune verdirbt.

Eines jener Mankos ist hier die Inkonsequenz der Darstellung. Der Autor springt immer wieder von der Antike ins Mittelalter und wieder zurück, oder an ganz andere Stellen – was doch immerhin erstaunlich für ein Buch ist, das sich mit Chronologie beschäftigt.

Die Konsequenz? Kein Buch, das man in schlaflosen Nächten mit angehaltenem Atem liest; im Gegenteil. Man legt es immer wieder feinsäuberlich zur Seite – wohlgemerkt feinsäuberlich – und sucht sich einzelne Kapitel heraus, die möglicherweise interessieren. Aber was noch schlimmer ist: Man kann das auch ohne weiteres – weil man den Text problemlos in kleine mundgerechte und in sich logische Einzelteile zerlegen kann.

Schade, daß ein gerade heutzutage so brisantes Thema – die Zeit – so leichtfertig zerpflückt wird.

Tanja von Werner

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