Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart  Jg. 8 (2007), Heft 3


 

Elke Therre-Staal

Elisabeth post mortem

Verhuschte Eidechsen in Schlossbergmauern,
Rosenbouquets, von Eifer durchflutet.
Marburg entrollt im Elisabethrausch
kunstvoll die heiligen Fahnen.

Neonherz umschließt den magischen Raum,
drin blutet für alle Jesus am Kreuz.
Elisabeth im Schleier der ewigen Jugend
tritt weltlicher Gier mit wildem Gebaren entgegen.

Die Widerspenstige ließ schlagfest sich zähmen.
bat um Gelehrsamkeit den Papst. Folglich wurde
der Schädel getrennt, Köpfung post mortem.
Reliquienverhackstückt ihr Leib dem Volk.

Nachtigall sang zum morgendlich grauen Tod.
Die Rose bleibt Halt und Stütze, wo Träume
eitern und schwären. Unbequem ruht und
fremd die Gräfin im Grabmal der Sieger.

 

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