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Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart Jg. 9
(2008), Heft 6
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Wie wird es (hoffentlich) später heißen?: „Willst du was über Pfalzen wissen – schlag nach beim Zuch!“ Zugegebener Maßen ein gewagter Satz, doch warum sollte dieser fromme Wunsch nicht in Erfüllung gehen, denn dieses schmale, auf den Punkt hin formulierte Bändchen der Reihe „Imhof –Kulturgeschichte“ hätte es allemal verdient, in das „Panthon“ der erinnerungswürdigen Bücher aufgenommen zu werden, informiert es doch trotz aller Kürze (immerhin umfaßt der Text nur 128 Seiten, in die zudem etliches an Bildmaterial integriert wurde) wenn auch nicht erschöpfend, so doch umfassend – und dies in einer klaren Sprache, frei von jedwedem verstiegenen Fachjargon. Im Gegenteil, der Verfasser ist durchgängig bemüht etwaige Fachbegriffe, die im Zusammenhang mit mittelalterlicher Geschichte und dem Pfalzenbau stehen, und nicht nur für seine Darstellung unerläßlich sind, zu erläutern, also Termini technici wie „fiscus“, „caput fisci“, „Tafelgüter“, „Pfalzgraf“, „Seneschalk“ usw.
Mit anderen Worten, es handelt sich um einen gediegenen, nicht durch die Vielfalt an Details erstickenden Überblick, der auch dem interessierten Laien Zugang zur Materie ermöglicht, ohne ihn, wie es so viele andere vermeintlich kundenfreundlich verfaßten Machwerke nur allzu gerne tun, für dumm und aufklärungsbedürftig zu verkaufen.
Die Struktur entspricht der vorherrschenden klaren Linie: Zunächst erfolgt in der Einleitung eine zeitliche Einordnung des Phänomens Pfalz, dann die Analyse ihrer Aufgabe, schließlich eine Auseinandersetzung mit bzw. Abgrenzung von dem Begriff „Burg“. Erläuterndes zu den Besitzverhältnissen, räumlicher und wirtschaftlicher Kapazität, damit einhergehend Herrschaftspraxis, Informationen zur baulichen Gestalt im Allgemeinen runden diesen ersten Arbeitsabschnitt ab.
In den Folgekapiteln werden diese Punkte nochmals aufgegriffen und näher erläutert, so in dem leider etwas ungünstig betitelten Abschnitt „Verfaßtheit des mittelalterlichen Königtums“. Es schließt sich das Kapitel „Baugestalt und Bestandteile“ an, in dem nicht nur Begriffe wie Saalbau, Kemenate, Palas, Pfalzkapelle und mehr erläutert werden, sondern der Autor auch auf Beispiele und Entwicklungsausgangspunkte verweist. Auf die Aufgaben der Pfalzen, den Pfalzbetrieb, sein Personal und dessen Aufgaben wird in den folgenden Abschnitten erläuternd eingegangen.
In einem historischen Überblick schließlich, unterscheidet und vergleicht der Autor die wesentlichen Epochen des Pfalzenbaus – also der Karolinger-, Ottonen-, Salier- und Stauferzeit, geht auf das Ende der Bauform und seine Hintergründe ein, aber auch auf die Wiederbelebung im Nationalsozialismus. Die für letzteres Kapitel gewählte Überschrift ist jedoch irreführend, setzt sich dieser Abschnitt doch mit den Entwicklungen seit 1900 auseinander, nimmt die Zeit des Nationalsozialismus also nur einen Teil dieses Kapitels für sich in Anspruch. Es stellt sich auch die Frage, ob das Folgekapitel, das nochmals ausdrücklich auf die produktive Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen hinweist, wirklich notwendig gewesen wäre, kann man Interdisziplinarität heutzutage doch längst als eine „conditio sine qua non“ bezeichnen.
Ein 19 Pfalzen umfassender und diese gründlich beschreibender Katalogteil rundet die Darstellung ab. Beigefügt wurde zudem eine Liste aller Kaiser und Könige bzw. Herrscherdynastien von Karl dem Großen bis auf Rudolf v. Habsburg sowie ein solides Literaturverzeichnis und (sehr löblich und hilfreich!) ein Orts- und Namensregister.
Kurz und gut: Ohne Zweifel wird sich der geneigte Leser nach der unkomplizierten und daher schnell zu vollziehenden Lektüre grundsätzlich informiert wissen.
Tanja v. Werner